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... für einen Mittelstand mit Zukunft

Angestellte Schweiz VSAM- Herbsttagung vom 21. Okt. 05 in Cham

Montag, 24. Okt 2005

Die Angestellten (in der Schweiz) im Wandel

Wer liebt ihn schon, den Wandel? Und doch müssen wir uns in der heutigen Arbeitswelt praktisch täglich mit ihm auseinander setzen.

Da packen wir doch am besten den Stier bei den Hörnern und machen es, wie es der deutsche Wirtschafts- und Sozialpsychologe Professor Dr. Klaus Linneweh an der Herbsttagung der Angestellten Schweiz VSAM in Cham vom 21. Oktober anschaulich demonstriert hat: Stellen wir uns den Veränderungen und gestalten wir sie kreativ – dann verlieren sie ihre negativen Eigenschaften (oder doch wenigstens einen Teil davon).

Referat von Prof. Dr. Klaus Linneweh, Institut für systematische Innovation, an der Herbsttagung 2005 der Angestellten Schweiz VSAM

Veränderung als gemeinsame Herausforderung

Die „neue“ Berufsrealität
Musse war früher ein Statusymbol. Wer etwas galt, hatte Zeit zum Nachdenken. Heute ist Musse ein Makel geworden.

Selbstkompetenz in Veränderungsprozessen ist eine der größten Herausforderungen. Ziel der hierbei notwendigen Aktivitäten ist es, die eigene Person selbstbestimmt so zu führen, dass man den unvermeidbaren Belastungen des beruflichen und des privaten Alltags wieder mit grösserer Gelassenheit und Zufriedenheit begegnen kann. Nur dann wird ein Veränderungsprozess erfolgreich, wenn wir Sinn, Begeisterung und Freude mit der neuen Verantwortung verbinden. Die Aufgabe heisst: Fremdbestimmte Veränderungen zu selbstbestimmten Herausforderungen zu machen.

Jeder Veränderungsprozess bedeutet Angst, Unsicherheit und Stress. 93 Prozent aller Beteiligten sagen, sie „leiden“ in Veränderungsprozessen unter Stress. 70 Prozent haben Angst vor Arbeitsplatzverlust und 60 Prozent haben Angst, Fehler einzugestehen. Wir erleben folgende Symptome:

 

Verunsicherung
Identitätsverlust
innere Kündigung,
Rückgang der Produktivität bis zum Burn-out.

{mospagebreak} Stress heisst neutral „Druck“ oder „Spannung“. Ohne diese Spannung wäre das Leben langweilig, es gäbe weder Herausforderungen noch Erfolgserlebnisse. Wir müssen lernen, die positive Spannung (Eu-Stress) von der negativen (Dis-Stress) zu unterscheiden. „Eu“ heißt „gut“, „heilmachend“. „Dis“ heisst „dazwischen sein“, „enttäuschend“. Wenn Sie Erfolgserlebnisse haben, wenn Sie sich freuen, Ihre Ziele erreicht haben, dann ist das „Eu-Eu!“. Motivation und Kreativität setzen diese Spannung, den Eu-Stress, voraus. Im positiven Stress sind wir in der Regel selbstbestimmt und realisieren soweit wie möglich Ziele und Vorhaben, die wir selbst entscheiden können. Die negati­ven Stresssituationen entstehen meist dann, wenn wir uns fremdbestimmt fühlen.

Es ist nicht Ziel dieses Vortrags Sie spannungslos zu machen, sondern Ihnen Wege aufzuzeigen, wie Sie negative fremdbestimmte Spannungen in positive Herausforderungen umwandeln können. Zu wenig Druck ist genauso schädlich wie zu viel. Nicht der Druck – die Spannung an sich – ist schädlich, sondern die Spannung ohne Entspannung.

{mospagebreak} Wie sieht die berufliche Fremdbestimmtheit aus? Der berufliche Alltag ist zunehmend belastet durch widersprüchliche Erwartungen und Zielkonflikte, von denen wir nicht wissen, wie oder ob sie sich überhaupt lösen lassen. Das globale Umfeld, in dem Unternehmen heute bestehen müssen, ist komplex und oft kaum durch- bzw. überschaubar; es verändert sich zudem in Schwindel erregendem Tempo. Die einfache Standardlösung, nach der sich viele sehnen, – sie existiert nicht. Wir müssen lernen, mit dem „Sowohl-als-auch“ umzugehen. Wir müssen den „Spagat“ und die Ambivalenz akzeptieren. Es geht nicht um Schnelligkeit oder Mitarbeiterorientierung. Es geht um beides. Die Alternative heisst nicht Kontrolle oder Vertrauen. Auch Taktik und Ehrlichkeit schliessen sich nicht aus. Der Umgang mit Widersprüchen ist vielen immer noch suspekt und erfordert innere Unabhängigkeit und Mut zu eigenverantwortlichem Handeln.

Viele Mitarbeiter, auch seit Jahren erfolgreiche, sind verunsichert, wenn sie mit diesen fundamental veränderten Rollenerwartungen konfrontiert werden. Haben sie ein gutes Verhältnis zu ihren Kollegen und verhalten sich authentisch, unterstellt man ihnen unter Garantie bei nächster Gelegenheit mangelnde Autorität. Dokumentieren sie aber deutlich ihren Leistungsanspruch, wirft man ihnen schnell soziale Kälte vor und vermisst Empathie und Kontaktfähigkeit. Wem es nicht gelingt, diese Widersprüche auszuhalten oder eine tragfähige Balance zwischen ihnen zu finden, wem es nicht gelingt, selbstbewusst eigene Prioritäten zu setzen, wird irgendwann zerrieben oder zum Zyniker, quält sich mit Selbstzweifeln, verliert seine Motivation und taucht ab in die innere Kündigung. Die heutige Unternehmensrealität zeigt, dass der unternehmerische und persönliche Erfolg eine Reise ist und kein Urlaubsort. Die Ursache ist ein vermehrter Umgang mit Unsicherheit und Zwang zur Fehlerakzeptanz.

Die gemeinsame Herausforderung: Andere erfolgreich machen
Mitarbeiter sehen Veränderungen nach dem Start zu

 

30% positiv,
20% negativ,
indifferent.

{mospagebreak} Wenn es gelingt, die 50% durch überzeugende Kommunikation und Glaubwürdigkeit für eine neue Herausforderung zu gewinnen, haben wir 80% positiv motiviert. Glaubwürdigkeit, Übereinstimmung von Denken, Reden und Handeln, Verlässlichkeit, aber auch Optimismus und Zuversicht sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Veränderungskultur. „Wir müssen sagen, was wir denken, wir müssen tun, was wir sagen und wir müssen sein, was wir tun“. Gemeint ist die Übereinstimmung von Worten und Taten. In einer Untersuchung von rund 1400 Arbeitnehmern stuften Mitarbeiter zu über 90% an erster Stelle gewünschter Eigenschaften die Glaubwürdigkeit als sehr wichtig ein.

Die Herausforderung heisst: Mut, Offenheit und Verantwortung Vertrauen zu schaffen, Impulsgeber zu sein für positive Veränderungen. Das bedeutet im einzelnen:

 

Loslassen von alten Rollen
Erkennen von neuen Chancen (Selbstbetimmtheit)
Aufbau von Selbstbewusstsein
Vertrauen in das neue Führungsteam
Emotionales Engagement für die gemeinsame Zukunft wecken

Statt Misstrauenskultur und Angst, statt fehlendem Selbstbewusstsein und Funktionären, sind Selbstbestimmung, Selbstbewusstsein und Sinnmanagement die zentralen Elemente der neuen Kultur. Wer Leistung will, muss Sinn geben. Wir wollen Sinn, Begeisterung und Freude mit neuer Verantwortung verbinden.

{mospagebreak} Der zentrale Punkt des neuen Denkens: Jeder muss seinen individuellen Beitrag zum Gelingen des Ganzen leisten. Vom Anspruchsdenken zur Servicebereitschaft, vom „ich will haben“ zum „ich will dienen“. Die Kunst des Dienens liegt in der Gegenseitigkeit von Geben und Nehmen, einem alten Kaufmannsprinzip, in der Ausgewogenheit von Gemeinwohl und Eigennutz. Die Kunst des Dienens liegt im Dienen, um zu verdienen. Und wer am besten dient, verdient am besten.

Dienstleistung heisst, anderen Nutzen zu bringen. Es sind nicht diejenigen erfolgreich, die ihre Konkurrenten niederkämpfen, sondern jene, die die Anforderungen ihrer Kunden am besten erfüllen. Und sei es dadurch, dass sie für Synergien ihre früheren Konkurrenten empfehlen. Wer die Anforderungen des Kunden erfüllt, der wird gewinnen. Also, lieber kluge Allianzen als schlaue Gegnerschaft.

Wie in einer Familie müssen wir lernen, unter einer gemeinsamen Zielsetzung zu handeln, den anderen aber in seiner Persönlichkeit zu respektieren. Es geht darum, unter einer gemeinsamen Zielsetzung Zonen gegenseitigen Respekts zu vereinbaren.

Die neue Kultur muss sich entwickeln. Es gilt, von Altem Abschied zu nehmen, Unterschiede klar zu benennen. Die Neuorientierung muss sich auf die Gestaltung der Zukunft beziehen, nicht auf das Aufarbeiten von Vergangenheit, d.h.

 

Gemeinsamkeiten herausstellen, nicht die Unterschiede,
Kontakte untereinander fördern,
gemeinsame Erfahrungen ermöglichen.

Dies baut Vertrauen auf und Vorurteile ab. Das Ziel muss sein: Zusammen ein neues Ganzes schaffen, das nicht nur mehr, sondern auch etwas anderes sein wird als die Summe seiner Teile.

{mospagebreak} Wir müssen uns als positive Botschafter für Veränderungen , als Mittler des Wandels, als sog. „change agents“ verstehen. An Stelle des besten Fachmanns wird ein Koordinator gesucht. Verändern heisst, sich in die Mitte stellen und andere erfolgreich machen.

Dazu gehört auch, der Aufbau von Teams, die den Veränderungsprozess in jedem Unternehmensbereich vorantreiben. Erfolgreiche Veränderungsteams sind eine gesunde Mischung aus Entrepreneuren, Innovatoren und Integratoren:

 

16% aller Führungskräfte sind Visionäre und Entdecker,
41% sind Analysten, die strategisch denken und handeln,
43% sind Realisierer und Macher, die gleichermassen praktisch und pragmatisch umsetzen.

Alle drei sind wichtig. Der gesunde Mix macht erfolgreich.

Die persönliche Herausforderung: Selbstkompetenz
Wichtig ist die Erkenntnis, dass wir ohne diese Voraussetzungen nicht erfolgreich sein können. Je enger die Rahmenbedingungen unseres Handelns, umso wichtiger und notwendiger ist das persönliche Selbstmanagement, die Fähigkeit zur Führung der eigenen Person. Selbstmanagement in Veränderungsprozessen ist eine der grössten Herausforderungen. Ziel der hierbei notwendigen Aktivitäten ist es, die eigene Person selbstbestimmt so zu führen, dass man den unvermeidbaren Belastungen des beruflichen und des privaten Alltags wieder mit grösserer Gelassenheit begegnen kann. Denn nur wer sich selbst erfolgreich verändern kann, kann auch andere verantwortungsbewusst verändern.

Das Umgehen mit sich selbst ist sowohl ein physiologisches, psychisches und auch geistiges Anliegen. Akzeptieren Sie vor allem, dass Sie selbst – und nicht die anderen – für sich verantwortlich sind. Sie haben die Verantwortung für Ihre körperliche, psychische und geistige Gesundheit, nicht das Unternehmen.

 

Im körperlichen Bereich geht es um das Erkennen physischer Stressreak­tionen, um das bewusste Umgehen mit dem eigenen Körper und um einen ökonomi­schen Einsatz der zur Verfügung stehenden Kräfte.
Im psychischen Bereich stehen das subjektive Stresserleben, die „richtige“ Einstellung, Stresstoleranz und Gelassenheit im Mittelpunkt.
Im geistigen Bereich geht es darum, Stressursachen zu erkennen und Möglichkeiten zu finden, Selbstbestimmung und Identität auch unter fremdbestimmten Rahmenbedingungen zu leben.

Der Sinn des körperlichen Stressprozesses liegt darin, die Widerstandskraft des Organismus aufrecht zu erhalten, Reserven zu mobilisieren, blitzschnelles Handeln zu ermöglichen. Es ist ein bewährter Verteidigungsmechansimus, der bei Gefahr instinktiv bei Tier und Mensch in genau der gleichen Weise abläuft (Angriff oder Flucht). Früher mussten unsere Vorfahren vorwiegend körperlich gegen Feinde, Hunger, Durst und Kälte kämpfen. Die Stressreaktion war körperlich sinnvoll und hatte ein physiologisches Ventil: Die Mobilisierung aller körperlichen Kräfte zur Verteidigung des Lebens. Man kann heute weder zum Kampf antreten noch fliehen. Statt dessen zwingt man sich zur Ruhe. Der Verteidigungsmechanismus kommt aus dem Gleichgewicht, Alarmphasen ohne Möglichkeit zur Abreaktion und Regeneration häufen sich. Es kommt immer dann zu Schädigungen, wenn die natürliche Abwehr und Regeneration nicht gelingt, wenn sehr viele Stressoren zu Alarm- und Abwehrreaktionen führen, ohne dass der Körper die Möglichkeit zur Verarbeitung und Regeneration erhält.

{mospagebreak} Für diejenigen, die für sich selbst nach einer aktiven und ganzheitlich orientierten Stressprophylaxe und Stresstherapie suchen, gelten vor allem die folgenden Empfehlungen. Sorgen Sie für einen rechtzeitigen Abbau des Affektstaus: Bewegung jeglicher Art z.B. Treppen steigen statt Fahrstuhl fahren. Machen Sie abends mal wieder einen Spaziergang, statt vor dem Fernseher zu sitzen. Durch sofortiges „Abreagieren“ und durch Bewegung können Sie „Kampfenergien“ rauslassen und verbrennen. Sport und Bewegung dienen nicht nur zum momentanen Abbau von Dis-Stress, sondern halten auf Dauer Ihren „Stress-Spiegel“ niedrig und erzeugen ausserdem Eu-Stress. Positive Eu-Stress-Hormone neutralisieren negative Dis-Stress-Hormone. Je mehr Eu-Stress (= Endorphine) Sie im Körper haben, desto glücklicher fühlen Sie sich – und umgekehrt.

Bekennen Sie sich auch ohne schlechtes Gewissen zu Regenerationsphasen. Dazu gehört u.a. das Erlernen von Entspannungsübungen wie Muskelentspannung, autogenes Training, Meditation. Ein regenerativer Urlaub unter 21 Tagen ist nicht möglich. Planen Sie Auszeiten zwischen Beruf und Familie – vor allem auch am Wochenende.

Im psychischen Bereich geht es darum, Gelassenheit und eine hohe Stresstoleranz zu erlangen. Positive Erlebnisse erhöhen die Stresstoleranz, negative senken sie. Wer seine Stresstoleranz erhöhen will, sollte daher möglichst viele positive „Eus“ empfinden – auch realisierbare kleine Erfolgserlebnisse erhöhen die Stresstoleranz.

Aber warum erleben wir so wenig Erfolgserlebnisse? Jeder erlebte Erfolg erhöht au­tomatisch unsere Erwartungen, unser Anspruchsniveau. Wilhelm Busch hat es sehr schön formuliert: „Jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge“. Das Erreichte wird selbstverständlich, die Zielsetzungen werden höher geschraubt. Der neue Wagen, das neue Haus, vielleicht sogar der neue Partner werden „gewohnt“ und normal. Der Mensch setzt sich immer neue Ziele. Dieses Streben nach neuen Zielen, diese Selbstmotivation, wird dann gefährlich, wenn Ziele so weit oben angesiedelt sind, dass eine Erfüllung nicht mehr möglich ist. Hier beginnt die Gefahr der geringen Stresstoleranz. Der Mensch steht so lange unter Erfolgszwang, bis er erkennt, dass er die Anforderungen, die an ihn gestellt werden, nicht mehr erfüllen kann. Der Mensch strebt bis zur Stufe seiner Inkompetenz.

Man sollte seine Ziele also häufiger auf Realisierbarkeit und Inhalt überprüfen. Qualitative Überprüfung eigener Ziele heisst wieder zu entdecken, dass es auch andere selbstbestimmte Zielsetzungen und Wünsche gibt, die ausserhalb des täglichen fremdbestimmten Umfeldes Freude, Erfolg und höhere Stresstoleranz ermöglichen. Es bestehen Konflikte vor allem zwischen dem Beruf, der Öffentlichkeit und der Familie. Die gleichzeitige Anhäufung von Belastungssituationen in mehreren Bereichen (Arbeitsplatz und Familie) und nicht erfüllte Aufstiegswünsche schaffen hohe psychische Belastungen. Wer sich ständig eingeklemmt fühlt zwischen „oben und unten“, wie es in mittleren Leitungsebenen häufig der Fall ist, wird mit der Zeit zermürbt.

Interessant ist ein Wertsystem, das aus der amerikanischen Führungskultur stammt. Danach sollte man sein Leben auf folgenden Prioritäten überprüfen:

 

Sich selbst,
die Familie,
die Nachbarschaft,
den Job.

Egal für welche Rangfolge Sie sich in Ihrem Leben entscheiden, die Führung der eigenen Person sollte immer an erster Stelle stehen. Nur so erhalten Sie die Kraft für weitere Lebensprioritäten. Fragen Sie sich: Vor wem verantworte ich mein Tun? Sie sind dann gefährdet, wenn Sie nur den Job an die erste Stelle setzen.

{mospagebreak} Sie haben gehört, dass die meisten Stresssituationen aus widersprüchlichen Ansprüchen und zu hohen Erwartungen entstehen. Im geistigen Bereich geht es darum zu entscheiden, entweder sich selbst zu verändern oder die Umwelt. Beides kann richtig sein, vor allen Dingen dann, wenn sich die Wertsysteme der Betroffenen nicht mehr vereinbaren lassen. In der Regel ist es einfacher, sich selbst zu verändern, seine Einstellung zu überprüfen. Der folgende Satz bedeutet keine Resignation oder fatalistisches Denken, sondern die Aufforderung, Fremdbestimmtheit zu akzeptieren und Selbstbestimmung wieder zu entdecken: „Gott gebe uns die Gelassenheit, Fremdbestimmtheiten zu ertragen, die Kraft, das zu verändern, was wir verändern können, und die Weisheit, zwischen beiden zu unterscheiden“ (Oettinger). Oder auf den Punkt gebracht:love it, change it, or leave it but change yourself (liebe es, ändere es oder lass es, aber ändere dich selbst).

Unternehmen brauchen Persönlichkeiten, Menschen mit Profil. In einem Unternehmen ohne Identität findet man Leute, die wie Quallen sind: Sie passen sich an, besonders dann, wenn es eng wird. Wichtig für ein Unternehmen sind Schwertfische: Sie ecken an, schwimmen sich frei. Sie entwickeln Kreativität und gehen neue Wege. Konstruktiv „Nein“ zu sagen, ist die Freiheit einer Vertrauenskultur – und der erste Schritt zu einem Profil. Wir brauchen wieder die Begeisterung, die Emotionen, das Engagement, wir brauchen Ecken und Kanten von Persönlichkeiten, die überzeugt „ihre“ Unternehmenskultur leben.

Zehn Empfehlungen für den erfolgreichen Umgang mit Veränderung
Beherzigen Sie die zehn Empfehlungen und Sie werden merken, dass Sie Veränderungen ohne Angst und Stress begegnen können. {mospagebreak}

 

1. Überprüfen Sie eigene Ziele
Überprüfen Sie Ihre Ziele auf Realisierbarkeit. Stress entsteht, wenn die Schildkröte versucht, das Rennpferd zu überholen. Übersteigerte Ansprüche und utopische Ziele sind ständige Quellen für Stressreaktionen. Realisieren Sie soweit wie möglich selbstbestimmte Ziele.

2.   Denken Sie positiv
Nahezu alle Situationen unseres Alltags lassen sich sowohl positiv als auch ne­gativ betrachten und beurteilen. Versuchen Sie, in Krisen und belastenden Konflikten immer auch die positiven Aspekte zu sehen. Beunruhigen Sie sich nicht schon vorher über mögliche Stresssituationen, sondern stellen Sie bedrohlichen Ereignissen lohnende Ziele und positive Anreize gegenüber. Lachen Sie auch einmal über sich selbst und entwickeln Sie Sinn für Humor.
3.   „Tun Sie, was Sie tun“
Tun Sie das, was Sie tun, überzeugt und selbstbestimmt. Leben Sie im Hier und Jetzt. Entwickeln Sie eine Sensibilität für den Augenblick. Trainieren Sie Ihre Wahrnehmungsfähigkeit. In Konfliktsituationen hören Sie auf Ihre „innere“ Stimme und Intuition. Musse und Meditation fördern den Dialog zwischen Kopf und Bauch. So werden Sie authentisch – im Reinen mit sich selbst.

4.   Sie sind für sich selbst verantwortlich
Ihre berufliche Situation, Ihre stresshaften Familienverhältnisse sind nicht die Verursacher Ihres Leidens, sondern das sind Sie selbst. Sehen Sie Stress als Herausforderung, und bemitleiden Sie sich nicht in aller Stille. Betrachten Sie sich nicht als „Gefangener Ihres Schicksals“. Bejahen Sie den Stress, denn Leben und Leistung sind ohne Stress nicht möglich.

5.   Sie werden für Ihre Ideen bezahlt – nicht für die Routine
Versuchen Sie nicht nur in der Arbeitsorganisation Selbstbestimmung in einem fremdbestimmten Umfeld zu realisieren. Fangen Sie an, Ihr Arbeitspensum realistisch zu planen. Versuchen Sie, Ihre Aufgaben aktiv statt reaktiv zu bewältigen. Planen Sie Pausen und Zeitpuffer für Unvorhergesehenes ein. Lernen Sie, auch „Nein“ zu sagen – nicht nur bei Terminen. Delegieren heißt auch „Loslassen“ können.

6.   Schaffen Sie sich ein stärkendes Netzwerk
Sorgen Sie für eine positive Umwelt. Eine stressfreie Umgebung hängt im Beruf und in der Familie wesentlich von der Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen ab. Bringen Sie Ihren Mitmenschen mehr Vertrauen und Sympathie entgegen. Hören Sie mehr zu. „Problemlöser“ werden auch für das Zuhören bezahlt. Konzentrieren Sie sich auf Beziehungen zu Menschen, die für Sie stärkend sind.

7.   Stellen Sie sich in die Mitte und machen andere erfolgreich
Jeder muss seinen individuellen Beitrag zum Gelingen des Ganzen leisten. Vom Anspruchsdenken zur Servicebereitschaft, vom „ich will haben“ zum „ich will dienen“. Die Kunst des Dienens liegt in der Gegenseitigkeit von Geben und Nehmen, einem alten Kaufmannsprinzip, in der Ausgewogenheit von Gemeinwohl und Eigennutz. Die Kunst des Dienens liegt im Dienen, um zu verdienen. Und wer am besten dient, verdient am besten.

8.   Engagieren Sie sich für Veränderungen
Wir müssen lernen, den Wandel zu lieben. Jeder Mensch, jede Kultur, jede Organisation entwickeln sich fortlaufend. Fragen Sie immer: Wie können wir die Umwelt, unsere Kommunikation, unser Verhalten, unsere Strukturen verbessern. Wecken Sie emotionales Engagement für die gemeinsame Zukunft! Es geht nicht nur um Sinn und Verständnis, sondern auch um Emotionalisierung. Wir müssen nicht nur wissen, sondern auch wollen, „in Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst.“

9.   Haben Sie den Mut zur Musse
Lernen Sie, drei bis vier Stunden pro Woche allein zu sein. Ohne Partner. Wir brauchen Auszeiten, wir brauchen Kraft und Energie. Sie können nicht übergangslos von einer Rolle in eine andere schlüpfen. Gönnen Sie sich eine Stunde Musse. Ob Sie in dieser Zeit Sport treiben oder sich in die Badewanne setzen und Ihrem Körper und Ihrer Seele Flügel wachsen lassen, ist letztlich egal. Pflegen Sie Rituale für Auszeit und Musse.

10.   Haben Sie Spass am gemeinsamen Erfolg
Geniessen Sie ihre Erfolge. Statt sich über Misserfolge zu ärgern, sollten Sie versuchen, Misserfolge als Chance für einen Neuanfang zu sehen. Zeigen Sie anderen, dass Sie sich mit ihnen freuen und zusammen mit ihnen lachen können. Lernen Sie, sich auch wieder über die Kleinigkeiten des Lebens zu freuen – mindestens einmal täglich Freude.

Prof. Dr. Klaus Linneweh, Wirtschafts- und Sozialpsychologe, gründete 1974 das Institut für Systematische Innovation und ist seit dieser Zeit Professor für Angewandte Sozialpsychologie in Hannover. Er gehört zu den führenden Stress- und Kreativitäts-Experten im deutschsprachigen Europa.

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