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Mitgliedschaft Angestellte Schweiz

Ziele der Angestellten Schweiz

  • Bestmögliche Arbeitsbedingungen schaffen
  • Permanente Arbeitsmarktfähigkeit erhalten
  • Aushandlung, Umsetzung und Überwachung der Gesamtarbeitsverträge

Attraktive Dienstleistungen

  • Rechtsberatung und Rechtsschutz
  • Starke Ermässigung bei aktuellen Schulungs- und Weiterbildungsangeboten
  • Prämienvergünstigungen bei Krankenkassen und Sachversicherungen

Mitgliederbeitrag

  • Einzelmitglieder aller Branchen, inkl. MEM-Branche ohne Solidaritätsausweis, bezahlen CHF 150.- pro Jahr.
    Einzelmitglieder der MEM-Branche mit Solidaritätsausweis bezahlen CHF 260.- pro Jahr. Nach Abgabe des Solidaritätsausweises erfolgt eine Rückvergütung von CHF 170.- (Rückerstattung-Solidaritätsausweis CHF 60.- und Zuwendung CHF 110.-). Der Netto-Beitrag beträgt CHF 150.-.
  • Pensionierte bezahlen Fr. 60.- pro Jahr. Dieser Betrag ist nur gültig für bestehende Mitgliedschaften, welche ohne Unterbruch als Mitgliedschaften für Pensionierte weitergeführt werden.
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... für einen Mittelstand mit Zukunft

Keine grossen Sprünge

Montag, 06. Dez 2010

Referat von Andreas Vock, Repräsentant des Mittelstandes

Ich möchte es gleich zu Beginn sagen: Ich bin nicht hierher gekommen, um zu klagen. Die Bevölkerungsschicht, für die ich heute spreche, tut dies nicht. So weit entspreche ich den Erwartungen an den typischen Vertreter des Schweizer Mittelstandes. Dennoch werde ich etwas tun, was der Durchschnittsschweizer eher selten macht: Ich werde Ihnen über mein Familienbudget Auskunft geben. Damit will ich aufzeigen, wo die finanziellen Freiheiten, aber vor allem auch, wo die finanziellen Grenzen des Mittelstandes in der Schweiz sind.

 

Familie, Eigenheim, Auto, Freiwilligenarbeit
Zuerst zu meiner Person. Ich bin 50 Jahre alt, verheiratet, Vater dreier Kinder (16, 19 und 21 Jahre alt). Der älteste Sohn ist erwachsen und verdient sich sein Auskommen inzwischen selber. Abgaben für das Wohnen zu Hause muss er keine leisten. Die eine Tochter befindet sich nach der Wirtschaftsmittelschule im Praktikumsjahr für die Berufsmatura und verdient ihren ersten Lohn. Unsere jüngste Tochter hat im August eine Lehre angefangen und hat einen durchschnittlichen Lohn als Lehrtochter im Detailhandel. Wir bezahlen den Töchtern vor allem die Versicherungsbeiträge, teilweise die Mahlzeiten und die Abos. Zudem haben auch sie keine Abgaben zu leisten.

Ich arbeite zu 100% bei Alstom im Power Sektor in Birr als Kommunikations-Manager. Meine Frau ist Pflegefachfrau von Beruf und arbeitet 60%. Ich bin bei Alstom Präsident der Angestellten-Vereinigung, ein Ehrenamt ohne Lohn, für das ich 10 -15 Stunden pro Monat meiner Freizeit hergebe. Zusätzlich bin ich Vorstandsmitglied der Angestellten Schweiz. Dies ist ebenfalls ein Milizamt ohne Verdienst und beansprucht weitere 5 – 10 Stunden pro Monat meiner Freizeit. Schliesslich engagiere ich mich auch im Verwaltungsrat der Raiffeisenbank in meiner Wohnregion. Auch hier kommen einige Stunden pro Monat hinzu, wofür ich entschädigt werde. Aber machen Sie sich bitte keine falschen Vorstellungen.
Wir besitzen ein Reihen-Eckhaus in der Gemeinde Obersiggenthal im Aargau. Wir haben einen Mittelklasse- und einen Kleinwagen. Ferien machen wir regelmässig im Winter. Im Sommer sind wir eher zu Hause, aber ab und zu auch im Ausland. Wir leisten uns keinen speziellen Luxus, müssen aber auch nicht jeden Rappen umdrehen. Immer wieder haben wir  in die Werterhaltung des Hauses investiert.

Harte Arbeit und Selbstdisziplin
Wir sind soweit eine glückliche Familie, aber zu behaupten, wir geniessen das Leben in vollen Zügen und blicken ganz entspannt in die Zukunft, das wäre sicher übertrieben! Diese Existenz ist mit harter Arbeit und Selbstdisziplin aufgebaut. Ich möchte Ihnen dies an Hand unseres Familienbudgets aufzeigen.

Budget mit folgenden Posten:

  • Einkommen
    (Lohn Herr und Frau Vock, ohne weitere Einkünfte) CHF 165‘000.--
  • Abgaben (Steuern, andere) CHF   15‘000.--
  • Laufende Kosten
    (Hypothek, Essen, Versicherungen, Krankenkasse,
    Anschaffungen, Ferien, etc.) CHF 130‘000.-
  • Sparen, 3. Säule CHF   20‘000.--

Sicherheiten gibt es immer weniger
Meine Eltern konnten noch davon ausgehen, dass der Lohn des Vaters bis zur Pensionierung stetig steigen würde – und zwar real. Diese Zeiten sind vorbei. Heute müssen wir froh sein, wenn die Teuerung ausgeglichen wird. Die Reallöhne in der Maschinenindustrie stagnierten von 2005 bis 2008 unter dem Strich mit  -0,1%. Im gleichen Zeitraum hatte jedoch die Arbeitsproduktivität um 7,5% zugenommen. Das Einkommen verbessern kann man so fast nur, wenn die Frau oder der Mann das Arbeitspensum aufstockt oder sich eine besser bezahlte Position erringen kann.
2009 ist der Lohn vieler Mittelstandangehöriger real wieder einmal gewachsen – in der Maschinenindustrie im Schnitt zum Beispiel um anständige 3,1%. Das ist der Negativteuerung als Folge der Finanzkrise zu verdanken. Allerdings haben viele Mittelstandsfamilien wegen der Finanzkrise auch viel Geld verloren. Bei Kleinanlegern aus dem Mittelstand kann dies, im Gegensatz zu den Reichen, sehr schnell an die Substanz oder sogar an die Existenz gehen!

Kaum mehr Geld als 2005
Bei uns hat sich die Situation in etwa wie folgt entwickelt:
Der Nettolohn hat sich aufgrund von Lohnerhöhungen, minus erhöhte Abgaben (Pensionskasse) und Veränderung des Kindergeldes, im Vergleich zu 2005 um lediglich 1,5% erhöht. Die Ausgaben blieben mehr oder weniger konstant, ausgenommen die Prämien für die Krankenkasse. Diese sind um markante 52% gestiegen, allerdings auch wegen der älter gewordenen Kinder.
Wir können, wie Sie gesehen haben, im Moment keine viel grösseren Sprünge machen als vor fünf Jahren. Und niemand garantiert uns, dass wir auch in drei Jahren noch so viel Einkommen haben wie jetzt.

Sorgen um die Zukunft
Was wird uns die Zukunft bringen? Wir werden kaum in die Armut abstürzen. Aber ich muss gestehen, dass ich mir um sehr viele Dinge Sorgen mache:

  • Wie wird sich mein Lohn entwickeln? Muss ich in Zukunft Lohneinbussen in Kauf nehmen?
  • Wie viel Geld werde ich noch auf die Seite legen können?
  • Wird mein Erspartes wegen weiterer Finanzkrisen plötzlich dramatisch abnehmen?
  • Werden wir unser Haus bei massiv steigenden Zinsen weiterhin bezahlen können?
  • Mit welcher Rente kann ich rechnen, wenn ich voraussichtlich im Jahr 2025 pensioniert werde? Werden ich und meine Frau davon leben können? Wie hoch wird der Umwandlungssatz noch sein, wenn es viele alte Menschen geben wird und wenig junge? Werden wir genügend Erspartes haben, um unseren Lebensstandard beibehalten zu können?
  • Werden die Krankenkassenprämien ins Unermessliche steigen – oder wird es noch ausgeprägter eine Zweiklassenmedizin geben?
  • Wie Sie wissen, plant Alstom Power auch in der Schweiz, Personal abzubauen. Heisst das eventuell Kurzarbeit für mich mit entsprechender Lohneinbusse? Was hätte dies für Auswirkungen auf unser Familienbudget?
  • Muss ich überhaupt um meinen Job bangen? Jobsicherheit ist eine ferne Erinnerung. Mein Vater konnte in meinem Alter noch davon ausgehen, dass er seine Arbeit nie verlieren wird.  Ich hingegen muss mir Sorgen machen, weil ich heute eine Arbeitsstelle aus diversen Gründen schnell verlieren kann: Ich werde älter und teurer für den Arbeitgeber, die Konkurrenz auf dem globalen Arbeitsmarkt wird grösser, es wird immer mehr Leistung verlangt. Bin ich noch 15 Jahre fit dafür?

Sie sehen, es gibt für den typischen angehörigen des Mittelstandes wenig Grund, sich entspannt zurückzulehnen, das Erreichte zu geniessen und sich auf die Zukunft zu freuen. Der Mittelstand hat zwar ein gutes Niveau erreicht, aber dieses ist dauernd gefährdet. Es gilt zuerst einmal, das Erreichte immer wieder zu verteidigen.

Der Mittelstand ist am Produktivitätsfortschritt zu beteiligen
Aber reicht das, soll sich der Mittelstand damit zufrieden geben? Ich finde, der Mittelstand muss noch mehr am Produktivitätsfortschritt, den er selber geschaffen hat, beteiligt werden. Denn nur so kann letztlich sichergestellt werden, dass der Mittelstand das Rückgrat der Wirtschaft und unseres Landes bleibt. Die Wirtschaft profitiert von mehr Konsum und das ganze Land von motivierten Mittelständern, die sich weiterhin freiwillig einsetzen in Vereinen, der Politik und in sozialen Einrichtungen. Ich bin froh, dass sich „mein“ Verband, Angestellte Schweiz, für den Mittelstand stark macht. Ich werde dieses Engagement tatkräftig unterstützen!

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