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Novartis will 1700 Stellen in der Schweiz abbauen - jetzt geht es der Industrie ans Lebendige

Dienstag, 25. Sep 2018

Novartis will einen grossen Teil seiner Schweizer Arbeitsplätze abbauen. Mit einem solchen Schritt würde der Konzern den Angestellten, sich selber und der Schweizer Wirtschaft immensen Schaden zufügen.

Die Gerüchte, welche die Novartis-Mitarbeitenden seit geraumer Zeit verunsicherten, werden heute bestätigt. Der Konzern plant in der Schweiz den Abbau von 1700 Stellen bis 2022. Novartis will offenbar bei den eigenen Angestellten auf das Prinzip Generika setzen: Gleiche Wirkung für einen kleineren Preis. Von diesem Rezept verspricht sich Novartis wohl noch höhere Gewinne. Für die Schweizer Angestellten, die Pharma-Branche, ja die gesamte Schweizer Exportwirtschaft hat es jedoch äusserst schmerzhafte und massiv schädliche Nebenwirkungen.

Pharmaindustrie ist tragende Säule unserer Wirtschaft

Angesichts der Bedeutung der Pharmaindustrie für die Schweizer Wirtschaft dürfte man annehmen, dass sich Novartis, einer der beiden grossen Branchenplayer hierzulande, der Verantwortung für den Standort Schweiz bewusst ist. Daran kommen nun Zweifel auf. Ohne Not sollen qualifizierte Stellen ins billigere Ausland verschwinden. «Wir lassen uns von Novartis nicht den Industriestandort in Basel zerstören», sagt Christof Burkard, Leiter Sozialpartnerschaft bei den Angestellten Schweiz. Denn die Aussichten sind nämlich gemäss den Prognosen von BAK Economics für die Pharmabranche auch für 2019 sehr positiv. Die Konjunkturforscher prognostizieren 5% Wachstum der realen Bruttowertschöpfung. «Vor diesem Hintergrund abzubauen ist verantwortungslos. Wir werden die Novartis-Angestellten bestimmt nicht alleine ihrem Schicksal überlassen und zusammen mit dem Novartis Angestelltenverband und der Arbeitnehmer-Vertretung alles daran setzen, die Beschäftigung bei Novartis in der Schweiz zu halten und zu sichern», sagt Christof Burkard.

Zweifelhafte Wirkung

Die Angestellten Schweiz bezweifeln stark, dass die Massnahme bei Novartis die erhoffte Wirkung haben wird. Dies aus einer Reihe von Gründen:

  • Viele Anleger fordern heute gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen. Dies gilt für die Beschäftigten hierzulande ebenso wie für die Arbeitsbedingungen in anderen Teilen der Welt. Unethisches Verhalten führt längerfristig zu Wettbewerbsnachteilen auf dem Kapitalmarkt.

  • Die Verlagerung von Stellen garantiert nicht automatisch eine Verbesserung der Kostenbasis. Treiber für höhere Kosten sind u.a. Qualitätskontrollen, Einarbeitung von neuem Personal, Anpassung an gesetzliche Anforderungen, Fluktuation, Kosten für Begleitmassnahmen bei Entlassungen.

  • Die Angestellten, welche letztlich den Erfolg des Unternehmens ausmachen, werden demotiviert, das Betriebsklima verschlechtert sich.

  • Der Konzern gefährdet mit seinem unsensiblen Vorgehen seine Reputation.

Angestellte Schweiz fordern Novartis auf, Verantwortung für den Industriestandort Schweiz zu übernehmen

Die Angestellten Schweiz fordern Novartis auf, auf die massive Stellenverlagerung zu verzichten, seine Verantwortung für den Industriestandort Schweiz zu übernehmen und den Angestellten eine langfristige Perspektive zu bieten. Sollte es dennoch zu Kündigungen kommen, müssen die wirtschaftlichen Nachteile für die Betroffenen voll ausgeglichen werden.

Eine so massive Restrukturierung, wie sie Novartis plant, hat auch eine politische Dimension. Der internationale Wettbewerb, die Digitalisierung und der Zugang zu Fachkräften dürfen nicht länger mit Offshoring beantwortet werden. Vielmehr müssen die Herausforderungen beschäftigungspolitisch angegangen werden. Es muss in Aus- und Weiterbildung investiert werden und die Unternehmen müssen sich verpflichten, ihre Beschäftigten für die Veränderungen zu qualifizieren.

Im Kontext der anvisierten Unternehmenssteuerreform fragen sich die Angestellten Schweiz zudem, ob dem Novartis-Management bewusst ist, dass es mit dem geplanten massiven Stellenabbau diese Reform akut gefährdet. Denn warum soll das Schweizer Volk Steuervergünstigungen zustimmen, wenn die Arbeitsplätze trotzdem verschwinden?

 

Für Rückfragen:

Christof Burkard, Stv. Geschäftsführer Angestellte Schweiz, 044 360 11 59, 079 768 58 98

Hansjörg Schmid, Kommunikation Angestellte Schweiz, 044 360 11 21

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