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... für einen Mittelstand mit Zukunft

Putz immer die Zähne, bevor du eine Schutzmaske anziehst

Mittwoch, 06. Mai 2020

Unser Rechtsanwalt Pierre Derivaz leistet aufgrund der Coronakrise regelmässig Zivilschutz. In diesem Beitrag gibt er einen Einblick in seine Abenteuer als Wächter eines Coronavirus-Abklärungszentrums und findet heraus, dass er auch als Zivilschützer mit Rechtsfragen konfrontiert wird.

Kapitel 1: Meine neue Mission

Im Rahmen des Zivilschutzes habe ich die Aufgabe erhalten, am Eingang eines Coronavirus-Abklärungszentrums zu stehen. Ich verteile Desinfektionsmittel und Schutzmasken und helfe Besuchern herauszufinden, wo sie warten oder hingehen müssen. Diese Aufgabe klingt unscheinbar. Als Anwalt bin ich mir zudem nicht gewohnt, in einem knallorangen T-Shirt und formlosen militärgrünen Hosen eine vorwiegend schweigende Rolle zu spielen. Ich mache das aber gerne.

Wenn ich am Morgen Uniform und Maske anziehe - es empfiehlt sich, vorher die Zähne zu putzen - fühle ich mich wie ein Superheld. Ich weiss aber nicht genau, welcher. Aquaman trägt einen orangen und grünen Anzug. Nur: Seine Superkraft ist, mit Fischen zu reden. Das interessiert mich nur halb. Clark Kent ist ein bisschen wie ich. Normalerweise arbeitet er viel am Computer und hat – im Gegensatz zu Batman beispielsweise – viel Respekt vor Justiz und Institutionen. Vielleicht bin ich aber eher wie Ant-Man, der Ameisenmensch. Auch wenn die Patienten des Zentrums meine Anwesenheit nicht immer wahrnehmen, bin ich für sie da.

Zu meiner Überraschung treten die meisten Besucher eher ruhig und entspannt auf. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass es nicht einfach ist, mit dem Verdacht auf eine Ansteckung mit Covid-19 umzugehen. Da mein Mund bedeckt ist, versuche ich, mit Augen und Körpersprache so viel Freundlichkeit, Zuversicht und ruhige Kompetenz auszustrahlen wie möglich. Ich stelle mir vor, so etwas würde ich mir als Patient in einem solchen Moment wünschen.

Kapitel 2: Meistens ist es nicht das Coronavirus

Teilweise vergeht die Zeit langsam. In meiner zweiten Dienstwoche kommen wenige Besucher. Das leichte Boreout nehme ich gerne in Kauf, denn es bedeutet wohl, dass die Eindämmungsmassnahmen wirken. Zudem bin ich stolz, wenn ich es das erste Mal schaffe zu gähnen, ohne meine Schutzmaske zu verlieren.

Schwierig wird der Einsatz vor allem dann, wenn Patienten mit Atembeschwerden ankommen. Der langsame Gang und die vielen Pausen sind eindrücklich. Dies passiert aber höchstens ein- oder zweimal pro Woche. Gemäss einer Medienmitteilung des BAG vom 29. April 2020 bestätigt sich der Verdacht auf Covid-19 nur bei ca. 13% der Tests. Mit anderen Worten ist die überwiegende Mehrheit der Leute, die ich sehe, nicht angesteckt.  

Ein krasses Beispiel: Ein Patient kommt während meiner Schicht, weil er in der Nacht Atemschwierigkeiten bekam. Als würde jemand auf seinem Brustkorb sitzen. Kaum betritt er das Abklärungszentrum, wird ein Krankenwagen gerufen. Dieser Patient hatte Glück im Unglück: Das Pflegepersonal bemerkte sofort, dass es sich nicht um das Coronavirus, sondern um einen Herzinfarkt handelte. Der Arzt, der ihn im Zentrum aufnahm, war Kardiologe.

Kapitel 3: Wo ich bin, tauchen immer auch arbeitsrechtliche Fragen auf

Ausserhalb des Zentrums steht ein Schild mit dem Hinweis «Patienten ohne Symptome werden nicht getestet» (mehr zu den diesbezüglichen Empfehlungen des BAG lesen Sie hier). Trotzdem erfahre ich von zwei Besuchern, dass sie da sind, weil ihre jeweiligen privaten Arbeitgeber den «Nachweis» einer Nichtansteckung (sprich einen negativen Test) trotz fehlenden Symptomen verlangen.

Während ich ihnen Sterilium gebe, denke ich an die rechtliche Situation. Darf der Arbeitgeber diesen Test verlangen? Grundsätzlich nicht, wobei im Einzelfall vor allem die Kriterien der Notwendigkeit und Verhältnismässigkeit dieser Massnahme geprüft werden müssen. Wer übernimmt die Kosten? Kurzantwort: Der Arbeitgeber und die für die Abklärung aufgewendete Zeit stellt Arbeitszeit dar. Leicht längere Antwort: Sicherlich nicht meine Krankenkasse, denn die steigenden Prämien zahle ich nicht, um Arbeitgeber quer zu subventionieren. Hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Lohnfortzahlung, falls sich das Zentrum weigert, den Test durchzuführen? Ja, wobei es in einem solchen Fall empfehlenswert ist, seine Leistung zusammen mit der Mitteilung, dass der Test nicht durchgeführt werden konnte, ausdrücklich anzubieten.

Mit beiden Arbeitnehmenden bespreche ich aber einen anderen Aspekt. Ist dem Arbeitgeber bewusst, dass ein negatives Testergebnis eine Infektion nicht ausschliesst und dass die Testergebnisse in der Regel erst nach ein paar Tagen vorliegen, sodass sie – insbesondere, wenn sie negativ sind – nicht unbedingt aktuell sind? Ja, sagen beide. Wäre es vor diesem Hintergrund nicht zielführender, auf die Kriterien zur Selbstisolation und Selbstquarantäne, insbesondere auf das Vorliegen von Symptomen, zu setzen? Vielleicht, sagen beide. Aber wie es in Bridge of Spies, dem Film von Steven Spielberg, heisst: « Der Chef hat nicht immer Recht, aber er bleibt immer der Chef ». (Der Film spielt in den Sechzigerjahren.)

Nun sind die Hände der beiden Besucher steril. Da ich als Zivilschützer für den Staat arbeite, verhalte ich mich neutral und widerstehe der Versuchung, ihnen meine Visitenkarte zu geben. Insgeheim hoffe ich, dass sie einen guten Arbeitnehmerverband an ihrer Seite haben. Einen Verband wie die Angestellten Schweiz.

Pierre Derivaz, Rechtsanwalt Angestellte Schweiz

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