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Erhalte ich Entschädigung, wenn ich in Quarantäne muss?

Dienstag, 27. Apr 2021
Paola Quarantina arbeitet in der Pflege in einem Altersheim. Weil ihre beiden Kinder im Kindergarten bzw. der Schule in Kontakt waren mit positiv auf Covid-19 getesteten anderen Kindern, ordnet der Arbeitgeber für die alleinerziehende Mutter 10 Tage Quarantäne an, und die Schule für die Kinder ebenfalls 10 Tage, obwohl weder Mutter noch Kinder positiv getestet wurden. Paola kann nicht weiterarbeiten – Home-Office ist in ihrem Job keine Option. Erhält sie für die Zeit der Quarantäne eine Entschädigung für den Lohnausfall?

 

Zuerst ist die Frage zu klären, ob die Quarantäne behördlich oder ärztlich angeordnet ist. Bei den Kindern ist es eine von der Schule ausgesprochene behördliche Anordnung. Bei Paola Quarantina wurde die Quarantäne vom Arbeitgeber angeordnet, allerdings gestützt auf behördliche Anweisungen. Damit ist eine erste Bedingung für eine Entschädigung erfüllt. (Sich selber in Quarantäne zu versetzen, z.B. aufgrund eines Alarms der Covid-App, würde die Bedingung «behördlich oder ärztlich angeordnet» natürlich nicht erfüllen.) Ebenso ist klar, dass Paola ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen muss, sie kann ihre Arbeit nur vor Ort und in Kontakt mit den Bewohner*innen ausüben. Sie ist fest angestellt und AHV-versichert, erfüllt also auch diese Bedingungen. Krank ist sie nicht – sie wurde weder positiv getestet noch hat sie Symptome. Wäre sie selber an Corona erkrankt, würden die rechtlichen Bedingungen für Krankheit gelten.
 
Arbeitgeber soll Lohn weiterzahlen
Da bei Paola Quarantina alle Bedingungen für eine Entschädigung der Quarantäne erfüllt sind, darf sie damit rechnen, für die Quarantänezeit Lohn zu erhalten. Ihr Arbeitgeber soll ihr den Lohn für die 10 Tage Quarantäne vollumfänglich ausrichten. Er kann bei der zuständigen AHV-Ausgleichskasse eine Entschädigung für den Ausfall von Paola Quarantina anfordern. Diese deckt bis zu 7 Tage ab. Sollte sich der Arbeitgeber weigern, den Lohn auszurichten, kann Paola die Entschädigung bei ihrer AHV-Ausgleichskasse selbst beantragen.
 
Die Entschädigung bemisst sich auf der Grundlage des AHV-pflichtigen Einkommens, das vor Beginn des Anspruchs auf Entschädigung erzielt wurde, unabhängig vom Arbeitspensum. Die Entschädigung beträgt 80 Prozent des Einkommens, höchstens aber 196 Franken pro Tag. Seit dem 8. Februar und noch bis zum 30. Juni (vorbehältlich einer Erstreckung dieser Frist) besteht Anspruch auf maximal 7 Taggelder.
 
Anders wäre die Situation für Paola Quarantina, wenn sie in Quarantäne wäre, weil sie ihre Eltern in einem Risikogebiet besucht hatte. Die Quarantäne wäre dann zwar auch obligatorisch, wenn das besuchte Land zum Zeitpunkt der Abreise aber auf der Liste der Staaten und Gebiete mit hoher Ansteckungsgefahr stand, hätte Paola keinen Anspruch auf Entschädigung.
 
Die Angestellten Schweiz wünschen Ihnen, dass Sie gesund bleiben und nicht in Quarantäne müssen. Wenn Sie rechtliche Fragen rund um Covid haben, hilft Ihnen unser Rechtsdienst gerne weiter.
 
Ausführliche Infos des Bundesamts für Sozialversicherungen über die Entschädigungen für Erwerbsausfall bei Massnahmen gegen das Coronavirus finden Sie hier.

 

Hansjörg Schmid
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