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Mitgliedschaft Angestellte Schweiz

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Rechte und Pflichten bei der Bewerbung

Montag, 26. Jul 2021
Selina Berger, 28, hat eben eine Weiterbildung abgeschlossen und sich bei einem Industrieunternehmen als Datenbankspezialistin beworben. Sie ist zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Damit sicher nichts schiefgeht, hat sich Selina vorgängig bei den Angestellten Schweiz schlau gemacht, was ihre Pflichten, aber auch ihre Rechte beim Bewerbungsprozess sind. Im Bewerbungsdossier hat sie alles korrekt angegeben. Selina freut sich auf ein konstruktives Gespräch. Vergeblich, wie sich zeigen wird.

 

Im Unternehmen wird Selina nett mit einem Kaffee und einem Gipfeli empfangen. Etwas nervös setzt sie sich mit dem Leiter IT, Robert Zemp, und der HR-Fachfrau Marisa Binggeli an einen Tisch. Das Gespräch beginnt mit einigen Fragen über ihre bisherige Tätigkeit, ihre berufliche Weiterbildung und ihre Motivation für diesen Job. Selina entspannt sich.

 

Gewisse Fragen sind unzulässig
Nun möchte der IT-Leiter wissen, was Selinas Karriereabsichten sind. Sie könne sich vorstellen, einmal eine Führungsfunktion, zum Beispiel als Teamleiterin, zu haben, antwortet sie. Robert Zemp hakt nach: ob sie denn Heiratspläne habe und Kinder haben möchte. Selina stutzt. Fragen nach der Familienplanung sind doch, so hat sie bei den Angestellten Schweiz erfahren, unzulässig in einem Bewerbungsgespräch. Sie schaut Marisa Binggeli an, diese zeigt aber keine Regung. Selina Berger darf jetzt rechtlich gesehen die Aussage verweigern oder auf eine Notlüge zurückgreifen. Sie bevorzugt aber, ausweichend zu antworten und sagt, dass sie dazu noch keine gefestigte Meinung habe. Als der IT-Leiter nicht nachgibt und fragt, ob sie in einer Beziehung lebe, verweigert sie jedoch die Auskunft.

 

Robert Zemp will nun wissen, ob sie im Allgemeinen gesund sei. Selina schluckt leer. Sie leidet an einer Erbkrankheit, die aber keinerlei Einfluss auf ihr Arbeitsvermögen hat. Unsicher blickt sie wiederum Marisa Binggeli an. Diese erklärt, dass sie die Frage nur beantworten müsse, wenn es von Relevanz für ihre Arbeitsstelle sei. Das ist rechtlich korrekt und Selina bestätigt, dass keine Beeinträchtigungen vorliegen.

 

Bezug zur Arbeit muss gegeben sein
Noch ist IT-Leiter Zemp aber nicht am Ende seiner Neugier. Er konfrontiert die Bewerberin damit, dass er im Internet gesehen habe, dass sie in der Grünliberalen Partei aktiv sei. Ob sie denn zu den Klimastreiks gehe? Jetzt wird es Selina zu bunt. Sie weist Robert Zemp höflich darauf hin, dass ihre politischen Aktivitäten rein privat seien. Damit handelt sie korrekt, Fragen über politische Anschauungen sind bei Bewerbungsgesprächen ebenso unzulässig wie über die Religion oder die sexuelle Ausrichtung. Ausnahmen gibt es höchstens bei so genannten Tendenzbetrieben, also ideologisch ausgeprägten Arbeitgebern. Wenn sich Selina bei der GLP beworben hätte und in der SVP wäre, dürfte dies der potenzielle Arbeitgeber durchaus wissen. Ebenso dürfte die katholische Kirche eine Bewerberin für eine Kommunikationsstelle fragen, ob sie katholisch sei. Ähnlich ist es, wenn eine Stellenbewerberin gefragt wird, ob sie gegen Corona geimpft ist. Dies darf man nur, wenn die Impfung zur Ausübung des Jobs erforderlich ist, also zum Beispiel in einem Spital oder in der Pflege.

 

Marisa Binggeli ist es sichtbar etwas unwohl geworden, dem IT-Leiter scheint aber nichts aufgefallen zu sein. Munter fragt er Selina nach dem Lohn an ihrer letzten Stelle. Ob diese Frage zulässig ist, ist umstritten. Sie ist aber hier von wenig Relevanz, da Selina Berger für diese Stelle neue Qualifikationen mitbringt. Marisa Binggeli interveniert jetzt endlich und ändert die Fragestellung: was sie sich denn für ein Gehalt vorgestellt habe. Selina nennt eine Spannbreite. Sie wundert sich, warum die HR-Fachfrau den IT-Leiter vor dem Gespräch nicht darüber aufgeklärt hat, welche Fragen zulässig sind, welche nicht und welche zumindest heikel sind (zum Beispiel die Frage nach der Karriereplanung).

 

Referenzen dürfen nur bei angegebenen Personen eingeholt werden
Langsam kommt das Interview zu Selinas Erleichterung zum Abschluss. Robert Zemp erwähnt in onkelhaftem Ton noch, dass er bei Selina Bergers vorletztem Arbeitgeber eine Referenz über sie eingeholt habe, er kenne ihn flüchtig. Er habe nicht schlecht von ihr gesprochen. Selina ist entsetzt. Sie hat diese Person nicht als Referenz angegeben und folglich hätte bei ihr keine Auskunft eingeholt werden dürfen.

 

Als es endlich vorbei ist, erklärt Selina, dass sie sich melden werde, ob sie die Stelle weiterhin interessiert. Ihr ist aber längst klar, dass dies nicht der Fall sein wird, sie kann sich nicht vorstellen, unter einem solchen Chef zu arbeiten. Mit ihrer Weiterbildung in der Tasche findet sie leicht eine bessere Arbeitsstelle.

 

Betriebe müssen mit Daten von Bewerber*innen sorgfältig umgehen
Robert Zemp sieht für eine Zusammenarbeit offenbar keine Hindernisse. Zu Selinas Überraschung erklärt er, dass er sich freuen würde, wenn Selina weiter an der Stelle interessiert wäre. Er offeriert ihr sogar, die Fahrspesen für die etwas längere Anreise zum Unternehmen zu übernehmen. Das ist eine nette Geste und der Betrieb wäre nicht dazu verpflichtet, da es nicht so verabredet war. Aber damit vermag Zemp Selina nicht mehr für sich zu gewinnen.

 

Am nächsten Tag ruft Selina Marisa Binggeli an und teilt ihr mit, die Bewerbung zurückzuziehen. Sie bittet darum, ihre Unterlagen zu vernichten – darauf hat sie Anrecht. Unternehmen dürfen Daten von Bewerber*innen auch nicht unverhältnismässig bearbeiten oder zweckentfremden.

 

Die HR-Fachperson sichert Selina zu, ihr Dossier zu löschen und entschuldigt sich für das verunglückte Bewerbungsgespräch.

 

Hansjörg Schmid
 
Mehr Infos zu den rechtlichen Aspekten im Bewerbungsprozess finden sich auf der Website von WEKA.
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