JavaScript ist in Ihrem Browser deaktiviert. Ohne JavaScript funktioniert die Website nicht korrekt.

Mitgliedschaft Angestellte Schweiz

Ziele der Angestellten Schweiz

  • Bestmögliche Arbeitsbedingungen schaffen
  • Permanente Arbeitsmarktfähigkeit erhalten
  • Aushandlung, Umsetzung und Überwachung der Gesamtarbeitsverträge

Attraktive Dienstleistungen

  • Rechtsberatung und Rechtsschutz
  • Starke Ermässigung bei aktuellen Schulungs- und Weiterbildungsangeboten
  • Prämienvergünstigungen bei Krankenkassen und Sachversicherungen

Mitgliederbeitrag

  • Einzelmitglieder aller Branchen, inkl. MEM-Branche ohne Solidaritätsausweis, bezahlen CHF 150.- pro Jahr.
    Einzelmitglieder der MEM-Branche mit Solidaritätsausweis bezahlen CHF 260.- pro Jahr. Nach Abgabe des Solidaritätsausweises erfolgt eine Rückvergütung von CHF 170.- (Rückerstattung-Solidaritätsausweis CHF 60.- und Zuwendung CHF 110.-). Der Netto-Beitrag beträgt CHF 150.-.
  • Pensionierte bezahlen Fr. 60.- pro Jahr. Dieser Betrag ist nur gültig für bestehende Mitgliedschaften, welche ohne Unterbruch als Mitgliedschaften für Pensionierte weitergeführt werden.
  • Auszubildende bis 26 Jahre bezahlen Fr. 30.- pro Jahr.
Schliessen
  • teaser schmal rotharige

... für einen Mittelstand mit Zukunft

Home-Office – Freipass für Abend- und Nachtarbeit?

Mittwoch, 29. Aug 2018

Bei Laboralis Futuris AG, einer Vorreiterin der Industrie 4.0, arbeiten schon heute viele Mitarbeitende im Home-Office-Modell. Meinrad Lieber-Zuhaus verrichtet dort seit über zehn Jahren einen einfachen Bürojob ohne leitende Funktion. Er hat genug vom überlasteten Pendlerverkehr und möchte endlich auch die Chance nutzen, zwei Tage pro Woche von zuhause aus arbeiten zu dürfen.

Von seinem Vorgesetzten erhält Lieber zusätzlich zu seinem Arbeitsvertrag eine Home-Office Vereinbarung, worin unter anderem folgender Passus steht:

„Der Gesundheitsschutz unserer Mitarbeitenden ist zentral. Auch beim Home-Office sind die arbeitsgesetzlichen Vorschriften betreffend Arbeits- und Ruhezeiten einzuhalten. Die Arbeitszeit (inkl. Pausen) ist zu erfassen. Es ist deshalb unerlässlich, dass Mitarbeitende im Home-Office Eigenverantwortung übernehmen und unsere Direktiven umsetzen.“

Meinrad hält diese „Bürde“ für eine Worthülse, über welche man hinwegsehen könne. Schliesslich möchte er tagsüber mehr Privates erledigen und Büroarbeit eher am Abend und nachts erledigen, da er sowieso ein nachtaktiver Mensch sei. Andere Kollegen würden schliesslich auch nachts arbeiten, wie man an deren sich regelmässig zu später Stunde gegenseitig zugeschickten Geschäftsmails sehe.

Um 100 Prozent sicher zu sein, ruft Meinrad den Rechtsdienst der Angestellten Schweiz an und fragt um Rat.

Home-Office nicht explizit rechtlich geregelt

In den Gesetzesbüchern lässt sich die moderne Erscheinungsform des Home-Office nicht finden. Der Duden definiert Home-Office als ein mit moderner Kommunikationstechnik ausgestattetes Büro im eigenen Wohnhaus. Studien belegen, dass heute ein Grossteil (ca. 30%) der Erwerbstätigen in der Schweiz mindestens einen halben Tag pro Woche von zu Hause arbeiten. Obwohl im Gesetz nicht explizit reglementiert, sind gemäss herrschender Rechtslehre sowie dem Staatssekretariat für Wirtschaft und Arbeit (Seco) für das Home-Office die Bestimmungen des Arbeitsgesetzes und seiner Verordnungen einzuhalten. Entsprechend ist die Direktive der Arbeitgeberin rechtens. Selbst wenn Meinrad Lieber das Ganze etwas lockerer sieht als die Arbeitgeberin, ist er angehalten, die Bestimmungen des Arbeitsgesetzes einzuhalten. Das Arbeitsgesetz ist ein zwingendes Recht, von dem nicht abgewichen werden kann.

Arbeitgeber muss Gesundheit schützen

Das Arbeitsgesetz enthält aufschlussreiche Bestimmungen zur Arbeits- und zur täglichen Ruhezeit sowie zum Gesundheitsschutz. Was letzteren anbelangt, ist der Arbeitgeber nach Art. 6 des Arbeitsgesetzes verpflichtet, alle Massnahmen zu treffen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den Verhältnissen des Betriebes angemessen sind, um den Schutz der Gesundheit der Mitarbeitenden zu gewährleisten. Unter anderem hat er die betrieblichen Einrichtungen und den Arbeitsablauf so zu gestalten, dass Gesundheitsgefährdungen und Überbeanspruchungen der Mitarbeitenden nach Möglichkeit vermieden werden. Dazu gehört sicherlich auch die Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass die Mitarbeitenden die Arbeitszeitvorschriften einhalten (inkl. Ruhezeiten sowie Zeiterfassungsmodalitäten). Der Arbeitgeber ist dabei auf die Mitwirkung der Mitarbeitenden angewiesen. Er hat sie aufzuklären und zu sensibilisieren, denn wenngleich er selber die Einhaltung im Home-Office nicht kontrollieren kann, obliegt ihm trotzdem die Verantwortung. Die Umsetzung des Gesundheitsschutzes ist aber schliesslich eine gemeinsame Aufgabe der Arbeitgeber und der Mitarbeitenden.

Nachtarbeit und ständige Erreichbarkeit nicht zulässig

Meinrad übt keine höhere leitende Tätigkeit aus, weshalb sein Arbeitsverhältnis dem Arbeitsgesetz untersteht, in welchem ein grundsätzliches Nachtarbeitsverbot im Zeitraum zwischen 23 Uhr und 6 Uhr besteht (Art. 16 Arbeitsgesetz). Mitarbeitende, welche in der Nacht arbeiten und zum Beispiel Geschäftsmails bearbeiten, verstossen gegen das Arbeitsgesetz.

Im Weiteren orientiert der Rechtsdienst der Angestellten Schweiz Meinrad betreffend der täglichen Ruhezeit von mindestens elf aufeinanderfolgenden Stunden sowie den Zeitrahmen von 14 Stunden, während welchem der Beginn und das Ende der Arbeitszeit stattzufinden haben. Meinrad kann seine Arbeit im Home-Office innerhalb des oben genannten Rahmens aber frei organisieren.

Eine ständige Erreichbarkeit allerdings, welche zu einer Entgrenzung der Arbeitszeit und einer Verwässerung der Arbeitsgesetzes führen, ist ein grosser Belastungsfaktor, der nicht im Sinne des Gesetzes ist.

Arbeitgeber muss bei Widerhandlung eingreifen

Der Arbeitgeber muss einschreiten, wenn für ihn ersichtlich ist, dass Mitarbeitende in der Nacht E-Mails bearbeiten. Er kann den Mitarbeitenden direkte Weisungen erteilen oder auch technische Massnahmen ergreifen. Wie das in der Praxis umgesetzt werden kann, lehrt uns das Beispiel des grössten europäischen Autobauers, Volkswagen. Dort werden die Mails auf die Blackberry-Smartphones der Mitarbeitenden eine halbe Stunde nach Arbeitsende abgestellt und eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn am nächsten Tag wieder eingeschaltet. „Die Kollegen sollen nach getaner Arbeit auf ihre Ruhezeit als solche nutzen können“, wurde diese Regelung vom V- Betriebsrat kommuniziert.

Haben Sie weitere Fragen zum Thema Home-Office oder weitere moderne Erscheinungsformen der Arbeit? Unser Rechtsdienst steht für Auskünfte gerne zur Verfügung.

Korab Macula, Rechtskonsulent Angestellte Schweiz

Login
Kontakt
Suchen