Im Februar 2022 wurden bei Zimmer Biomet Stellen gestrichen, im Dezember 2023 folgte eine erneute Reduktion, im September 2024 verloren weitere Mitarbeitende ihre Stelle. Nun erfolgt eine Umstrukturierung grössten Ausmasses, die circa 80% der Belegschaft betrifft und die der Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz mit sehr grosser Sorge sieht, auch im Hinblick auf die Region.
Das Umfeld für die Schweizer Medizintechnik-Branche ist anspruchsvoll: ein starker Franken, hohe Produktionskosten und erhöhte Zölle. Diese Rahmenbedingungen sind real. Sie erklären aber nicht, warum ein Standort über vier Jahre hinweg in Etappen schrumpft und nun ein grosser Kahlschlag innerhalb kürzester Zeit erfolgen soll. Wenn Fertigung mit langjährigem Know-how ins Ausland verlagert wird, verliert der Werkplatz Schweiz Substanz, die sich nicht zurückholen lässt.
«Winterthur verliert innert kurzer Zeit an mehreren Standorten industrielle Arbeitsplätze. Das erhöht die Verantwortung des Unternehmens Zimmer Biomet erheblich. Wir erwarten ein Konsultationsverfahren, in dem Alternativen ernsthaft geprüft werden, einen Sozialplan, der wirklich dem Ausmass entspricht, und eine klare Aussage darüber, welche Funktionen in Winterthur bleiben», sagt Tanja Riepshoff, Rechtsanwältin bei Angestellte Schweiz.
«Gleichzeitig sehen wir auch die Politik in der Pflicht, sich zum Industriestandort Winterthur zu bekennen und sich aktiv für den Erhalt der Arbeitsplätze einzusetzen, »sagt Tanja Riepshoff.
Die Forderungen von Angestellte Schweiz
- Wir fordern, dass eine Standortstrategie zeitnah offengelegt wird, d.h. Zielgrösse, Zeithorizont und verbleibende Funktionen in Winterthur, verbunden mit dem Erhalt der Fertigungskompetenz.
- Fachwissen im Land behalten: Mit jeder verlagerten Fertigungslinie verliert der Werkplatz Schweiz Substanz. Wir erwarten, dass Zimmer Biomet dies in seine Entscheide einbezieht.
- Ein weiterhin solider Sozialplan für den gesamten Prozess: Wir fordern, gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung zu prüfen, ob der bestehende Sozialplan die Folgen der aktuellen Massenentlassung angemessen abfedert.
- Belegschaft einbeziehen: Wir fordern die regelmässige und vollständige Information sowie Einbezug der Arbeitnehmervertretung vor jedem weiteren Abbauschritt, unabhängig von gesetzlichen Schwellen.
- Wo es möglich ist, müssen Stellen erhalten bleiben. Mindestens fordern wir von Zimmer Biomet ein gut finanziertes Outplacement für alle Betroffenen, damit sie beim Übertritt in eine neue Stelle nicht auf sich allein gestellt sind.
- Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, sich aktiv für den Erhalt des Werkplatzes Schweiz und den Industriestandort Winterthur einzusetzen und für die relevanten Arbeitsplätze sowie das Fachwissen am Standort zu engagieren. Wir werden sie am Erfolg messen.
Über die Massnahmen hinaus braucht der Standort vor allem eines: eine Perspektive für jene, die bleiben. Nach vier Abbaurunden in vier Jahren weiss heute niemand in Winterthur, ob er in der nächsten Runde selbst betroffen ist. Wir nehmen die Verantwortlichen daher in die Pflicht.
Über Angestellte Schweiz
Die Arbeitnehmenden-Organisation Angestellte Schweiz vertritt die Interessen der Arbeitnehmenden in der Politik und in den Unternehmen. Sie ist seit über 100 Jahren die Stimme der Angestellten aus dem Mittelstand. Der Verband setzt sich für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und sichere Arbeitsplätze ein. Er arbeitet sozialpartnerschaftlich, konstruktiv und zuverlässig zum Wohl von Gesellschaft und Wirtschaft. Seinen Mitgliedern bietet er ein umfassendes, auf persönliche Bedürfnisse angepasstes Angebot an: Sie profitieren von Weiterbildungen, Beratungen, Dienstleistungen und Informationen – für das persönliche Weiterkommen jedes Einzelnen.
Kontakt
Tanja Riepshoff
Rechtsanwältin / Sozialpartnerschaft & Beratung
tanja.riepshoff@angestellte.ch, +41 44 360 11 54
Tanja Tanneberger
Kommunikation Angestellte Schweiz, tanja.tanneberger@angestellte.ch +41 44 360 11 21