Nahezu jeder dritte Schweizer Job wegen KI unter Druck

Olten, 16. Juni 2026
Über 850'000 Jobs mit einer Lohnsumme von mehr als 80 Milliarden Franken sind in der Schweiz stark durch Künstliche Intelligenz betroffen. Dies zeigt eine neue Analyse von 86 Berufen der Denkfabrik einstAIn.

Von 3 Millionen untersuchten Jobs weisen 28% der Profile eine hohe KI-Exposition auf. Das bedeutet, dass Künstliche Intelligenz die Arbeit und einen Grossteil der typischen Aufgaben in diesen Jobs stark verändert. Das zeigt die einstAIn-Analyse, getragen von Angestellte Schweiz und Kuble – House of Intelligence. Die Analyse macht deutlich: Die KI-Revolution trifft nicht zuerst die Fabrikhalle, sondern das Büro.

Im Berufsfeld Administration und Verwaltung entfallen fast alle der untersuchten Berufe auf die Kategorie mit hoher KI-Exposition. Im Bereich Finanzen und Recht sind es 72 Prozent. Demgegenüber weisen Handwerk und Bau praktisch keine KI-Exposition auf, während Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufe ebenfalls geringer betroffen sind. Erste Studien aus der Schweiz zeigen zudem, dass in Berufsgruppen mit hohem KI‑Einfluss die Zahl der Jobsuchenden stärker steigt, im Vergleich zu denjenigen, die nicht davon betroffen sind.

  • Überall, wo ein Bildschirm leuchtet, verändert KI die Arbeit.

 

Exposition bedeutet nicht Stellenabbau

Die Analyse zeigt, in welchen Berufen KI Aufgaben übernehmen oder beschleunigen kann. Ob KI zu Wachstum oder Stellenabbau führt, hängt entscheidend von der Nachfrage und den strategischen Entscheidungen von Unternehmen und Politik ab.

In Branchen mit wachsender Nachfrage kann höhere Produktivität zusätzliche Wertschöpfung ermöglichen. In Bereichen mit stabiler Nachfrage kann dieselbe Entwicklung zu einem geringeren Personalbedarf führen.

  • Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: «Wird mein Job verschwinden?» Sondern: «Wie verändert sich meine Arbeit?»

Der Engpass ist nicht die Technologie

Die grösste Herausforderung für den Schweizer Arbeitsmarkt liegt nicht in der Technologie selbst. Sie liegt in der Geschwindigkeit, mit der Unternehmen, Bildungssystem und Arbeitskräfte neue Kompetenzen aufbauen.

  • «Die Anpassung und Lernfähigkeit müssen schneller sein als die Verdrängung.»

Wer KI lediglich zur Kostensenkung nutzt, erzielt kurzfristige Effizienzgewinne. Wer KI nutzt, um neue Dienstleistungen, Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln, schafft zusätzliche Wertschöpfung und neue Beschäftigungsmöglichkeiten.

KI wird zur demografischen Notwendigkeit

Die Schweiz steht gleichzeitig vor einer historischen demografischen Herausforderung. Zwischen 2023 und 2029 erreichen - oder haben erreicht - rund 788'000 Personen das Pensionsalter. Im gleichen Zeitraum treten nur rund 640'000 junge Menschen in den Arbeitsmarkt ein. Damit droht eine Lücke von rund 148'000 Arbeitskräften.

Höhere Produktivität ist deshalb nicht nur eine Chance, sondern eine Voraussetzung dafür, dass die Schweiz ihren Wohlstand und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern kann.

Die Schweiz braucht mehr KI-Qualifizierung

Die Technologie ist vorhanden. Entscheidend wird sein, wie schnell Millionen von Arbeitsstunden in Büros, Verwaltungen und Dienstleistungsberufen nicht nur produktiver, sondern wertschöpfender gestaltet werden können. Die Analyse zeigt darum eine klare Priorität: Die Schweiz braucht eine breit angelegte KI-Qualifizierungsoffensive.

Über 80 Milliarden Franken Lohnsumme stehen heute alleine bei den 86 untersuchten Berufen im Einflussbereich von KI. Ob daraus mehr Wohlstand oder mehr Verunsicherung entsteht, entscheidet sich nicht in den Algorithmen, sondern in den Entscheidungen von Unternehmen, Politik und Bildung.

 

 
 

Das Dashboard ist über diesen Link zugänglich: https://jobs.einstain.ch/

Basierend auf der Studie von Eloundou et al. (2024, Science) und adaptiert auf die heutige Entwicklung zeigt dieses Dashboard die KI-Exposition von 86 Schweizer Berufsgruppen auf. Der Expositionswert misst, in welchem Ausmass berufliche Tätigkeiten durch Large Language Modell (LLM)-gestützte Systeme beeinflusst werden können. Über die Suchfunktion können einzelne Berufsgruppen gezielt ausgewählt werden. Zudem ermöglicht das Dashboard, den durchschnittlichen Lohn pro Beruf zu analysieren, um potenzielle Einfluss  infolge des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz abzuschätzen.

 

Kontakt

Alexander Bélaz | Präsident

alexander.belaz@angestellte.ch | +41 79 597 73 53

Christian Vogt | Kommunikation (Deutsch)

christian.vogt@angestellte.ch | +4144 360 11 26

Laure Fasel | Kommunikation (Französisch)

laure.fasel@angestellte.ch + 41 44 360 11 28

 

Zitate

Alexander Bélaz, Präsident Angestellte Schweiz:

«Angestellte dürfen in der KI-Transformation und der Umschulung nicht allein gelassen werden. Produktivitätsgewinne aus KI müssen auch dort ankommen, wo Arbeit neu organisiert wird. Wir setzen uns für einen fairen Übergang ein, mit Weiterbildungspfaden und gemeinsam getragener Verantwortung von Unternehmen, Sozialpartner*innen, Forschung und Politik.»

Dominik Blunschy, Nationalrat und Advisor Digital Business & Innovation, ti&m:

«Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt nicht irgendwann, sondern bereits heute. Entscheidend ist, dass wir diesen Wandel nicht als reine Sparübung verstehen, sondern als Chance für mehr Produktivität, Innovation und Wertschöpfung. Dafür braucht es eine breite KI-Qualifizierung, damit Arbeitnehmende den Wandel aktiv mitgestalten können.»  

Patrick Chuard-Keller, Chefökonom Schweizerischer Arbeitgeberverband:

«Dass viele Berufe stark von KI betroffen sind, bedeutet nicht automatisch Stellenabbau. Für die Unternehmen steht im Vordergrund, wie sie dieses Potenzial für Wachstum und neue Tätigkeiten nutzen können.»

Roger Oberholzer, Partner und Academy-Lead, Kuble - House of Intelligence:

«Die Mitte des Schweizer Arbeitsmarkts muss sich am schnellsten neu erfinden. In unseren Weiterbildungen sehen wir täglich, wie mit KI Innovationspotenzial freigesetzt werden kann, wenn Unternehmen sie nicht nur als Sparübung verstehen, sondern als Möglichkeit für neue Dienstleistungen und Produkte. Das ist die unternehmerische Weichenstellung, die jetzt notwendig ist.»

 

Über einstAIn

«einstAIn» ist die Denkfabrik für die Zukunft der Arbeit im Zeitalter von KI. Initiiert von Angestellte Schweiz und Kuble - House of Intelligence, dient «einstAIn» als Dialogplattform, die Unternehmen, Arbeitnehmende, Forschung und Politik vernetzt. Ziel ist es, den durch KI getriebenen Wandel der Arbeitswelt aktiv, fair und nachhaltig zum Vorteil aller zu gestalten.

www.einstAIn.ch

Über Kuble – House of Intelligence

Kuble übersetzt seit 2009 neue Technologien in die Praxis. Die Kuble ACADEMY vermittelt anwendbare KI-Kompetenz und hat seit 2022 über 1’000 Fach- und Führungskräfte weitergebildet. Das Team berät Unternehmen in der Transformation ins Zeitalter der Künstlichen Intelligenz und bietet KI-Lösungen wie den SWISS AI DESK für mehr Wachstum, Innovation & Produktivität. Aus der Schweiz für die Schweiz.

www.kuble.com

Über Angestellte Schweiz

Die Arbeitnehmenden-Organisation Angestellte Schweiz vertritt die Interessen der Arbeitnehmenden in der Politik und in den Unternehmen. Sie ist seit über 100 Jahren die Stimme der Angestellten aus dem Mittelstand. Der Verband setzt sich für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und sichere Arbeitsplätze ein. Er arbeitet sozialpartnerschaftlich, konstruktiv und zuverlässig zum Wohl von Gesellschaft und Wirtschaft. Seine Mitglieder profitieren von Weiterbildungen, Beratungen, Dienstleistungen und Informationen – für das persönliche Weiterkommen jedes Einzelnen.

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