Weiterer Abbau und dunkle Wolken für den Schweizer Standort der Afag AG

Olten, 25. Juni 2026
Der Abbau weiterer Arbeitsplätze bei der AFAG ist ein Alarmsignal für den Industriestandort Schweiz. Angestellte Schweiz bedauert diesen Entscheid zutiefst. Dieser erneute Rückschlag zeigt einmal mehr, wie kurzfristige Profitoptimierungen von grossen amerikanischen Konzernen die industrielle Basis der Region (und der Unternehmen selbst) Schritt für Schritt schwächt.

AFAG plant den Abbau von dreizehn Arbeitsplätzen von insgesamt achtunddreissig an seinem Standort in Zell im Luzerner Hinterland. Das Unternehmen begründet den Personalabbau mit einer schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung – dies, obwohl der Konzern seit 5 Jahren kontinuierlich höhere Dividendengewinne erzielt.

Angestellte Schweiz nimmt diese Ankündigung mit grosser Besorgnis zur Kenntnis. Das Unternehmen stellt seit 65 Jahren Komponenten für die Montageautomatisierung her und belieferte unter anderem Konzerne wie Bosch und Siemens. Auch schwer liegt auf, dass die Unternehmung grosse Teile ihrer Produktion bereits 2024 nach Ungarn verlegt hat, was im Vorjahr bereits zu einer Entlassungswelle geführt hat.

Das Unternehmen war bisher nicht in der Lage aufzuzeigen, wie ein solcher Abbau ohne baldige Standortschliessung möglich ist.

Die Region Luzern ist schwer betroffen

Diese erneute Hiobsbotschaft trifft eine Region, die ohnehin schon unter Druck steht. Die Luzerner Wirtschaft war zuletzt von weiteren Massenentlassungen betroffen. Der Industriestandort Schweiz verliert damit nach und nach Produktionskapazitäten, technisches Know-how und qualifizierte Arbeitsplätze.

Im Jahr 2020 hatte sich das Unternehmen in Luzern mit ehrgeizigen Zielen in Bezug auf Wachstum und Personalausbau niedergelassen. Der Kontrast zur heutigen Situation verdeutlicht die zunehmende Anfälligkeit des Industriesektors.

“Sozialverträgliche Lösungen sind unerlässlich”, sagt Jan Borer, Arbeitspsychologe bei Angestellte Schweiz. “Es ist nicht hinnehmbar, dass die grenzenlosen finanziellen Ambitionen grosser US-amerikanischer Konzerne auf Kosten der Arbeitsplätze und des industriellen Know-hows der Schweiz gehen. Wir erwarten von AFAG, dass das Unternehmen transparent über die Zukunft des Standorts kommuniziert und sozialverträgliche Lösungen für die Betroffenen umsetzt.”

Wir fordern:

  • Eine umfassende Konsultation und Prüfung von stellenbewahrenden Massnahmen
  • Eine Überprüfung und allenfalls eine Anpassung des bereits bestehenden Sozialplans
  • Konkrete Massnahmen zur Wiedereingliederung, zur Weiterbildung, zur beruflichen Umschulung und – je nach Situation – Möglichkeiten zur ausfinanzierten Frühpensionierung

Angestellte Schweiz erwartet von der Geschäftsleitung und dem Konzern, dass sie ihre Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, aber auch gegenüber der Region vollumfänglich wahrnimmt.

Über Angestellte Schweiz

Die Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz vertritt die Interessen der Arbeitnehmenden in der Politik und in den Unternehmen. Sie ist seit über 100 Jahren die Stimme der Angestellten aus dem Mittelstand. Der Verband setzt sich für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und sichere Arbeitsplätze ein. Er arbeitet sozialpartnerschaftlich, konstruktiv und zuverlässig zum Wohl von Gesellschaft und Wirtschaft. Seinen Mitgliedern bietet er ein umfassendes, auf persönliche Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot: Sie profitieren von Weiterbildungen, Beratungen, Dienstleistungen und Informationen – für das persönliche Weiterkommen jedes Einzelnen.

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Jan Borer
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