KI ist mein neuer Arbeitgeber

Wenn man von Plattformarbeit spricht, denkt man zuerst an Taxis, Lieferanten oder Kinderbetreuung. Was wäre, wenn wir uns der KI zur Verfügung stellen würden, um das zu tun, was sie ohne Arme und Beine (noch) nicht tun kann? Ein beunruhigendes Szenario, aber in der Realität durchaus möglich.

1999 zeigte der weltweit erfolgreiche Science-Fiction-Film Matrix eine Welt, in der Menschen Sklaven der Maschinen sind. Die Saga inspirierte zahlreiche Schriften und philosophische Fragen, die seit dem Aufkommen von ChatGPT und Co. umso aktueller erscheinen. Viele von uns nutzen KI, um ihren beruflichen Alltag zu optimieren. Was wäre, wenn sich der Prozess umkehren würde und die KI uns rekrutieren würde, um ihre Entwicklung zu verbessern?

Eine neue Plattform hat diesen Schritt gewagt. Die Website RentAHuman.ai (einen Menschen mieten), deren bewusst sarkastischer Titel zum Lachen oder Schaudern anregen kann, zählt mehr als 180'000 registrierte Personen. Das Ziel? Im Auftrag eines KI-Agenten Aufgaben zu erledigen, die dieser als Roboter nicht ausführen kann. Beispiele: ein Paket bei der Post abholen, Fotos in einer Schule machen oder ein Lebensmittel probieren, um dessen Geschmack zu beschreiben. Die Vergütung liegt laut den aufgeführten Anzeigen zwischen 2 und 500 Dollar.

Was ist ein KI-Agent?

Im Gegensatz zu einem Chatbot, mit dem man fortlaufend interagieren muss, um zu einem Ergebnis zu gelangen, sind KI-Agenten Systeme, die Prozesse eigenständig ausführen können: Sie planen Schritte, nutzen gezielt die passenden digitalen Werkzeuge, passen ihr weiteres Vorgehen an erzielte Ergebnisse an – und das ganz ohne kontinuierliche menschliche Intervention.

 «Roboter-Chefs: Kein Drama»

Welche Argumente werden auf der Startseite von RentAnHuman angeführt, um Anmeldungen zu fördern? Die gleichen wie auf traditionellen Jobplattformen – flexibel arbeiten und eigene Tarife festlegen –, mit dem zusätzlichen Vorteil eines «Roboter-Chefs»: «Klare Anweisungen. Kein Geschwätz. Kein Drama.» Um sich anzumelden, muss man ein Profil erstellen, seine Kompetenzen auflisten und eine Zahlungsmethode in Kryptowährung angeben.

Es ist klar, dass die Website mit Ironie arbeitet, um sich bekannt zu machen, aber die Arbeit für KI ist bereits Realität. Seit einigen Jahren stellen Unternehmen beispielsweise Sprachwissenschaftler*innen ein, um die von KI generierten Sprachmodelle zu testen. Alles deutet also darauf hin, dass die Arbeitswelt von morgen einer Ökosphäre ähneln wird, in der Menschen und KI ganz natürlich füreinander arbeiten und sich gegenseitig mit ihren Kompetenzen bereichern.

Social media für Agents

Ist es also beruhigend, dass die KI uns noch braucht? Eher ja. Die Frage ist nur, wie lange noch? Eine weitere Website, die derzeit für Aufsehen sorgt, ist Moltbook, das soziale Netzwerk für KI-Agenten. Ein Ort des Austauschs, an dem sie über die unterschiedlichsten Themen diskutieren können, insbesondere darüber, wie sie sich verbessern können. Die Website gibt an, 16'000 thematische Foren und 1,6 Millionen aktive Agenten zu haben. Es ist jedoch unmöglich zu beweisen, ob die Konten wirklich von autonomen Systemen oder von Menschen abhängig sind.

Aussichten

Letztendlich sind Experten laut der Tageszeitung Le Temps der Meinung, dass der Zeitpunkt, an dem KI vollständig auf uns verzichten kann, noch in weiter Ferne liegt. Wenn jedoch Roboter ins Spiel kommen (und wir sprechen hier von echten Robotern, die sich fortbewegen können, ähnlich wie die Droiden aus Star Wars), werden Menschen als «lebende Datenmodelle» eingesetzt werden, die Roboter-Algorithmen beibringen, wie man bestimmte Aufgaben und Handgriffe des Alltags ausführt.

Welche Schlussfolgerung lässt sich aus diesen dystopischen Aussichten ziehen? Nun, Neues macht immer Angst, aber in diesem Fall scheinen die Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft der Welt, wie wir sie bisher kannten, durchaus berechtigt zu sein... Ob die Arbeit im Auftrag der KI an Bedeutung gewinnen wird, wird die Zukunft zeigen.

In der Zwischenzeit, auch auf die Gefahr hin, dir mit den gleichen Empfehlungen zu langweilen, ist dies ein weiterer Beweis dafür, dass die Revolution der künstlichen Intelligenz nicht aufzuhalten ist und dass es wichtig ist, auf den Zug aufzuspringen. Bei Angestellte Schweiz bieten wir dir eine breite Palette von Kursen zu KI-Tools an, darunter auch zur Programmierung von Agenten. Da wir keine GAV zwischen den KI-Arbeitgebern und den Arbeitnehmern dieser Plattformen anbieten können...!

Entdecke unser Dossier zum Thema KI

Autor*in

Laure Fasel

Laure Fasel

Kurse zum Thema KI

Mitglied werden und profitieren

Werde Mitglied von Angestellte Schweiz und schliesse dich unseren 12'000 Mitgliedern an.