Wirtschaftliche Turbulenzen – welcher Kurs für die Schweiz?

Wir leben in einer instabilen Welt – dem wird kaum jemand widersprechen. Einige stellen sich vor, morgen arbeitslos zu sein oder im Krieg zu leben; andere sind überzeugt, dass die Schweiz schon andere Krisen erlebt hat und dass unser Ruf uns schützt. Angestellte Schweiz nahm am Forum Horizon teil, das am 29. Januar in Lausanne zum Thema wirtschaftliche Unsicherheit stattfand.

«Krisen hat es immer gegeben. Mitten in ihnen muss man opportunistisch handeln, so wie wir es gut können», erklärte Magdalena Blocher bei einem viel beachteten Auftritt am Forum Horizon in Lausanne am 29. Januar. Die vom Le Temps organisierte Veranstaltung bot Austausch und Debatten über die Zukunft unserer Wirtschaft in einem geopolitisch angespannten Kontext. Während die Bündner Nationalrätin betonte, die Schweiz könne sehr gut auf ein Bündnis mit Europa verzichten, waren im Saal auch gegenteilige Stimmen deutlich zu hören.

Starker Franken, COVID, Rettung der Credit Suisse … Unsere Wirtschaft hat ihre Resilienz zweifellos unter Beweis gestellt. Doch nach einem Jahr an der Macht prägt Donald Trump eine Welt, die auf Machtverhältnissen basiert. Der asiatische Wettbewerb nimmt zu, Europa wird protektionistischer. Welche Zukunft haben die Arbeitsplätze in diesem Umfeld?

Bilanz zum Finanzplatz Schweiz

Der Finanzplatz Schweiz steht unter starkem Wettbewerbsdruck aus Asien und Dubai und erlebt eine andere Art von Krise als frühere. Angesichts der globalen Unsicherheit ist sein hervorragender internationaler Ruf jedoch auch ein Vorteil. Für den Asset-Management-Sektor hat die Aufrechterhaltung dieses stabilen Images oberste Priorität. Ebenso wichtig ist die Pflege der Beziehungen zu Europa. Über eine Milliarde an europäischen Vermögenswerten wird in der Schweiz verwaltet – die bilateralen Abkommen III sollten daher ratifiziert werden, trotz der Kampagne der extremen Rechten, die das Gegenteil fordert.

Welche Zukunft für die Pharmaindustrie?

Die Branche bleibt ein zentraler Motor unserer Wirtschaft: Das zeigen die Exporte 2025, die mit 282 Milliarden einen neuen Rekord erreichten, während die meisten anderen Sektoren rückläufig waren. Das Wachstum beruht im Wesentlichen auf der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Zwar blieb sie von Zöllen verschont, doch die Unternehmen haben sich verpflichtet, mehr in den USA zu produzieren.

Thierry Mauveray, Präsident der Waadtländer Gruppe Debiopharm, betonte den zunehmenden Druck während der Konferenz. Seiner Ansicht nach muss das Bild der Schweiz als weltweite Innovations- und Entdeckungsleaderin gestärkt werden. Wenn die noch immer recht grobe Grenze zwischen akademischer Welt und Unternehmertum überwunden würde, könnte mehr Forschung und klinische Entwicklung direkt im Land stattfinden. Unsere Stärken? Die Vorhersehbarkeit des regulatorischen Rahmens und die Qualität der Arbeitskräfte.

Wann soll sich der Staat einmischen?

Sollten Unternehmen, Wirtschaftsverbände und politische Behörden angesichts der aktuellen Lage intensiver miteinander sprechen? Die Frage nach mehr oder weniger Interventionismus spaltet – je nach politischer Ausrichtung der Beteiligten. Aus liberaler Sicht würde eine zu starke staatliche Unterstützung zwar kurzfristig Arbeitsplätze sichern, langfristig jedoch die Wettbewerbsfähigkeit und die Angebotsvielfalt bremsen. In Fragen der steuerlichen Attraktivität, der Forschung und der Innovation sind sich jedoch viele Akteur*innen einig: Auch die Politik hat eine Rolle zu spielen. Der Bereich der Weiterbildung und beruflichen Neuorientierung darf nicht vernachlässigt werden – derzeit bietet die Arbeitslosenversicherung keine Leistungen zur Orientierung in einem anderen Berufsfeld an.

Zum Dossier "Politik"

Autor*in

Laure Fasel

Laure Fasel

Kurse für Angestellte

Mitglied werden und profitieren

Werde Mitglied von Angestellte Schweiz und schliesse dich unseren 12'000 Mitgliedern an.