Männlich, schön - erfolgreich?

In westlichen Ländern wurden in den letzten Jahren deutlich mehr Schönheitsoperationen bei Männern durchgeführt. Ein Forscher und eine plastische Chirurgin erklären, warum dies auch mit dem Wunsch nach einer steilen Karriere zu tun hat.

Noch wird die Mehrheit aller Schönheitseingriffe bei Frauen durchgeführt, aber die Männer sind am Aufholen: Faltenbehandlungen, Augenlidkorrekturen und Haartransplantationen stehen bei Männern immer höher im Kurs. «Sowohl Männer als auch Frauen berücksichtigen berufliche Aspekte bei der Entscheidung für ästhetische Behandlungen. Männer sprechen diesen Zusammenhang jedoch häufiger explizit an,» so die Erfahrung der plastischen Chirurgin Dr. Julia Berkei aus Zürich.  

In Deutschland wurden 2024 rund 40% mehr Botoxbehandlungen bei Männern durchgeführt als im Vorjahr. Auch in der Schweiz dürfte die Tendenz ähnlich sein. « Ein wichtiger Grund ist, dass gesellschaftliche Schönheitsideale auch für Männer zunehmend an Bedeutung gewinnen. Vor allem Männer, die sich stärker an traditionellen männlichen Ideologien orientieren, streben danach, Macht, Dominanz, Status oder Attraktivität zu verkörpern, » sagt Andreas Walther, Professor für Psychotherapieforschung von der Universität Graz.

«Bei Männern geht es weniger um Schönheit im klassischen Sinn, sondern um Ausstrahlung und Selbstsicherheit.»

Dr. Julia Berkei, plastische Chirurgin

Soziale Medien und Online-Meetings tragen dazu bei, dass man sich häufiger selbst sieht und dadurch kritischer mit dem eigenen Aussehen umgeht. Online-Meetings gehören mittlerweile für viele Angestellte zum Arbeitsalltag. Gerade Männer in Führungspositionen, im Kundenkontakt oder in kompetitiven Umfeldern wollen sich vermehrt jünger, frischer oder souveräner präsentieren.  «Dabei geht es weniger um „Schönheit“ im klassischen Sinn, sondern um Ausstrahlung, Vitalität und Selbstsicherheit,» so Dr. Julia Berkei.

Die jüngsten Patienten sind Anfang 30

Die plastische Chirurgin praktiziert an zwei Standorten. In Zürich und in Frankfurt ist in den vergangenen fünf bis zehn Jahren ihr Anteil an männlichen Patienten deutlich angestiegen. Von rund 10% auf 20%. Gerade minimal-invasive Eingriffe, wie Botox-Behandlungen, sind gefragt. Die jüngsten Patienten sind Anfang 30. Die Schönheitschirurgin zählt zu den grossen Gewinner*innen des Schönheitsbooms. «Der Entscheid zu einem Schönheitseingriff soll gut überlegt sein. Kommt jemand wegen akutem äusserem Druck zu mir, dann rate ich davon ab.»

Attraktiv zu sein, bedeutet für viele Männer nicht mehr alleine, als anziehend wahrgenommen zu werden. Es wird auch mit Status und Erfolg gleichgesetzt. Der direkte Zusammenhang mit den Karrierechancen wurde wissenschaftlich bislang nicht eindeutig belegt. «Ich vermute jedoch stark, dass das Aussehen indirekt eine Rolle im beruflichen Kontext spielt,“ so Andreas Walther, Professor für Psychotherapieforschung. Glatte Haut oder eine wohlgeformte Nase können zweifellos das Selbstvertrauen stärken und für einen guten ersten Eindruck sorgen. Nichtsdestotrotz bleiben Eigenschaften wie Verlässlichkeit, Loyalität und Teamfähigkeit unabdingbar für nachhaltigen Erfolg im Job.

Autor*in

Christian  Vogt

Christian Vogt

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