Wohlbefinden am Arbeitsplatz: das skandinavische Rezept
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Stress kann eine emotionale und seelisch-körperliche Reaktion auf ungünstige oder schädliche Aspekte der Arbeit sein. Er entsteht, wenn an eine Person höhere Anforderungen gestellt werden, als sie bewältigen kann.
Stress entsteht typischerweise bei zu grosser Arbeitsmenge, bei Termin- und Leistungsdruck oder bei zwischenmenschlichen Konflikten am Arbeitsplatz. Stress ist belastend und mit dem Gefühl verbunden, man könne die Situation nicht bewältigen.
Artikel 328 des Obligationenrechts verpflichtet Arbeitgeber, gebührend auf die Gesundheit von Angestellten Rücksicht zu nehmen. Sie müssen zum Schutz der Gesundheit ihrer Angestellten notwendige, geeignete und zumutbare Massnahmen treffen, um Stress am Arbeitsplatz zu vermeiden.
Arbeitgeber dürfen demnach keine Belastungen tolerieren, die erfahrungsgemäss gesundheitsgefährdende körperliche und/oder seelische Folgen haben.
Verhindert ein Arbeitgeber krankmachenden Stress am Arbeitsplatz nicht, so können geschädigte Arbeitnehmende unter Umständen vor ein Zivilgericht gehen, um Schadenersatz und Genugtuung zu verlangen. Man spricht in diesem Zusammenhang von der «Stresshaftung» des Arbeitgebers.
In einem Stresshaftungsprozess sind folgende Streitfragen zu klären:
Grundsätzlich tragen in Stresshaftungsprozessen Arbeitnehmende die Beweislast. Darum ist das Prozessrisiko meistens recht hoch. Das bedeutet: Gelingt Angestellten der Beweis nicht, verlieren sie den Prozess und müssen die Kosten tragen. Darum ist es wenig verwunderlich, dass in der Schweiz von den Gerichten bis anhin erst wenige Stresshaftungsfälle beurteilt worden sind.
Trotzdem lohnt es sich im Einzelfall zu prüfen, ob ein Fall von Stresshaftung vorliegt und sich ein Anspruch auf Schadenersatz und Genugtuung gerichtlich durchsetzen lässt. Wir empfehlen dir, dies zuerst vom Rechtsdienst von Angestellten Schweiz abklären zu lassen.