Feiertage: «Welcome to the jungle?»
Einsamkeit ist ein komplexes Phänomen. Einsamkeit entsteht, wenn wir weniger soziale Nähe erleben, als wir uns wünschen. Sie beschreibt das Gefühl, dass etwas in unseren Beziehungen fehlt, eine Lücke zwischen dem, was wir brauchen, und dem, was tatsächlich da ist. Wir können auch einsam unter vielen sein, nicht zwingend müssen wir uns einsam fühlen, wenn wir allein sind.
Einsamkeit ist kein persönliches Versagen, sondern ein Ausdruck gesellschaftlicher Veränderungen. In heutigen modernen Gesellschaften, auch in der Schweiz, steigt das Risiko, sich allein zu fühlen. Einer der zentralen Gründe ist die zunehmende Individualisierung: Traditionelle soziale Strukturen wie familiäre, dörfliche oder religiöse Gemeinschaften verlieren an Bedeutung, während immer mehr Menschen in Ein- oder Zweipersonenhaushalten leben.
Gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) sind die Einsamkeitsgefühle in der Gesamtbevölkerung zwischen 2017 und der letzten Gesundheitsbefragung im Jahr 2022 leicht angestiegen. Der Anstieg betrifft vor allem Personen von 15 bis 24 Jahren, bei denen sich die Werte mehr als verdoppelt haben (von 4% auf 10%).
In der Weihnachtszeit nimmt das Thema eine eigene Dynamik an und kann natürlich jede Altersgruppe betreffen. Zur Weihnachtszeit entsteht bei vielen Menschen oft der Eindruck, dass alle im Kreis von Familie oder Freunden feiern. Diese Vorstellung setzt viele Menschen unter Druck, die Feiertage ebenfalls in Gemeinschaft zu verbringen. Bleibt dieses Bild unerfüllt oder stellt sich die festliche Vorfreude nicht ein, kann das Gefühl von Abseitsstehen oder Einsamkeit leichter aufkommen.
Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du dir selbst Alternativen für die Festtage suchst. Wir zeigen dir, was du gegen das Gefühl von Einsamkeit tun kannst.
Sich selbst etwas Gutes tun: Überlege dir, was du für dich selbst tun möchtest. Der Arbeitsdruck ist in der Vorweihnachtszeit enorm hoch. Nichts spricht dagegen, über die Weihnachtsfeiertage einfach auszuspannen. Ein Vollbad statt Trubel unter dem Weihnachtsbaum kann mehr Besinnung bringen.
Veranstaltungen besuchen: In jeder Stadt oder Region werden auch an den Feiertagen Veranstaltungen angeboten. Ein Besuch in einer Gaststätte oder einem Café kann an den Feiertagen überraschend verbindend wirken. Dort trifft man auf Menschen, die ebenfalls allein unterwegs sind und kommt schnell ins Gespräch. Es kann gut tun zu spüren, dass man mit seinem weihnachtlichen Alleinsein nicht allein ist.
Ehrenamt oder selbst Hilfe holen? Viele Menschen kommen aus ihrer eigenen Einsamkeit heraus, wenn sie anderen helfen und sich in einem Ehrenamt engagieren. Hierfür gibt es verschiedene Plattformen, wie z.B. Pro Senectute: Freiwilligenarbeit, Benenvol: benevol Schweiz ist die Dachorganisation der regionalen Fachstellen, Caritas: https://www.caritas.ch.
Wenn du selbst Hilfe brauchst, gibt es folgende Adressen, die auch über die Festtage zur Verfügung stehen: Dargebotene Hand: Home ¦ 143.ch Dargebotene Hand, Pro Mente Sana: Beratung für Betroffene und Nahestehende | Pro Mente Sana | Psychische Gesundheit stärken
Eins ist klar: Einsamkeit ist kein persönliches Scheitern, sondern ein gesellschaftliches Thema. Deshalb ist es wichtig, dass wir darüber informieren und den Diskurs in der Gesellschaft aufnehmen.
Wir wünschen dir frohe und erfüllende Weihnachtstage, ohne das Gefühl von Einsamkeit.