Einsamkeit an Festtagen
23. Dezember, am Morgen. Du wachst mit Kopfschmerzen vom Geschäftsessen am Vorabend auf. Die Post hat die Lieferung des Geschenks für dein Göttikind verspätet, du schwankst zwischen Lachs und Rindfleisch für das Essen am 24. und in der WhatsApp-Familiengruppe warten 18 Nachrichten. Ganz zu schweigen von der Skiausrüstung, die du für die Kinder noch vor Ladenschluss mieten musst. Dein einziger Wunsch im Moment: wieder einschlafen und erst am 1. Januar aufwachen.
Die Adventszeit verdichtet in der Tat widersprüchliche Erwartungen: Produktivität und Authentizität, Feiern und Erholung ... Im Büro ist es zwischen Jahresabschlüssen, den Zielen für das kommende Jahr und den Weihnachtsapéros nicht einfach, einen Gang zurückzuschalten. Gleichzeitig bereitet jede*r sein Privatleben auf «gelungene Festtage» vor, als ob dieser Erfolg – perfekte Mahlzeiten, einstimmiges Lächeln, magische Momente – den Sinn eines ganzen Jahres bestätigen würde. Der Zwang zum Glücklichsein erzeugt dann einen paradoxen Stress: Denk fünf Minuten über die Pflicht nach, glücklich zu sein, und du wirst wahrscheinlich noch deprimierter daraus hervorgehen!
In der Soziologie spricht man von Festen als einem Moment der «kollektiven Ritualisierung», in dem die Gesellschaft sich selbst feiert. Auch losgelöst von ihrer religiösen Dimension behalten die Feste diese Funktion des Zusammenhalts: Sie sollen Menschen zusammenbringen und Konflikte ausräumen.
In der Realität ist das nicht so einfach. Familientreffen können bestehende Verletzlichkeiten verschärfen. Konflikte, Trauerfälle, Trennungen: Die Lawine an Geselligkeit, die zu Weihnachten über die sozialen Netzwerke hereinbricht, verstärkt das Gefühl der Entfremdung und Einsamkeit. Genauso werden kollektive Rituale (Firmenfeste, Geschenke, Essen) manchmal zu sozialen Verpflichtungen, was die Heuchelei in Beziehungen verstärkt.
Schliesslich macht die schnelllebige Konsumgesellschaft die finanziellen Ungleichheiten deutlich. Für manche Familien bringt der Druck, Geschenke kaufen zu müssen, das Budget in die roten Zahlen oder führt zu Schuldgefühlen, wenn es nicht gelingt, die eigenen Kinder so zu verwöhnen, wie es die Schaufenster suggerieren.
Psychologisch gesehen verstärkt die Weihnachtszeit mit den Familienvorbereitungen den «Mental Load», insbesondere bei Frauen, die oft für die Organisation in der Familie verantwortlich sind und gleichzeitig ihre berufliche Leistung aufrechterhalten.
Der «Mental Load» bezeichnet die ständige kognitive Anstrengung, immer an alles denken zu müssen, selbst wenn man die Aufgaben nicht physisch ausführt. Dazu gehören die Verwaltung von Haushaltsaufgaben, die Familienorganisation, die Planung (Vorausdenken, Antizipieren) und die Verantwortung dafür, dass nichts vergessen wird.
Er betrifft Frauen stärker, die oft für die Organisation der Familie verantwortlich sind, selbst wenn die Aufgabenverteilung an der Oberfläche «gerecht» erscheint. An Weihnachten erreicht diese Belastung zweifellos ihren Höhepunkt, da die Organisation der Feiertage und sogar der Ferien viel Liebe zum Detail erfordert. Noch ein Geschenk für diese Person finden, das Fleisch für das Essen reservieren, zum Tannenbaum passende Tischdekoration kaufen... Das sind die kleinen Dinge, die einem, wenn sie auf einer Liste untereinanderstehen, schwindelig machen können.
Hier sind einige konkrete Ansätze, um diese Zeit zu überstehen, ohne dich vom Druck erdrücken zu lassen: