Authentisch kommunizieren (Grundkurs)
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Noch wenige Plätze
Welche Kompetenzen wird die Schweizer Wirtschaft in Zukunft benötigen? Die Umbenennung der höheren Weiterbildungen im technischen Bereich ist ein starkes Signal. Die Abschlüsse «Professional Bachelor» und «Professional Master» schaffen keine neuen Ausbildungsgänge, sondern stärken die Sichtbarkeit und Attraktivität der bisher bestehenden. Swissmem begrüßt diese Neuerung.
Zur Erinnerung: Die höhere Berufsbildung im Technologiebereich richtet sich an Inhaber eines EFZ, die sich anschließend beispielsweise an Fachhochschulen (FH) spezialisieren. Als wesentlicher Vorteil unseres Bildungssystems ermöglicht sie den Erwerb von Fachkompetenzen bei gleichzeitiger Nähe zur Berufswelt.
Im Technologiesektor vollziehen sich rasante Entwicklungen. Künstliche Intelligenz verändert Prozesse, die Automatisierung verändert Berufe, und Unternehmen müssen neue Werkzeuge integrieren. Um diese Herausforderungen zu meistern, müssen sie die Profile ihrer Mitarbeiter*innen diversifizieren.
Ein/e Techniker/in HF für Industriesysteme entwickelt beispielsweise Kompetenzen, die im Unternehmen direkt einsetzbar sind: Programmierung, Automatisierung, Maschinenoptimierung. Ein Ingenieur oder eine Ingenieurin an einer Fachhochschule (FH) ist hingegen stärker auf die Konzeption und Entwicklung von Projekten ausgerichtet. Diese Ausbildungswege entsprechen unterschiedlichen Bedürfnissen und ergänzen sich gegenseitig.
Diese Aufwertung berufsbezogener Abschlüsse erfolgt vor dem Hintergrund einer breiteren Debatte in der Schweiz: Bilden wir zu viele Hochschulabsolvent*innen aus?
Zu Beginn des neuen Schuljahres hat die Presse mehrere Artikel und Studien veröffentlicht, in denen die Stärken und Schwächen des dualen Bildungssystems diskutiert werden. Einerseits ist von einem Arbeitskräftemangel die Rede. Andererseits gibt es zu viele Akademiker*innen für zu wenige verfügbare Stellen sowie einen Mangel an Absolvent*innen in praktischen oder handwerklichen Berufen.
Ohne Ingenieur*innen, Informatiker*innen, Naturwissenschaftler*innen oder Wirtschaftswissenschaftler*innen würde unser Wohlstand höchstwahrscheinlich darunter leiden: Die Schweiz verfügt zwar nicht über große Rohstoffvorkommen und ihr Binnenmarkt ist begrenzt, doch sie zählt seit Jahrzehnten zu den wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt. Zu den Gründen zählen politische Stabilität, eine leistungsfähige Infrastruktur und eine ausgeprägte Innovationskraft. All dies ist zum Teil einer hochqualifizierten Erwerbsbevölkerung zu verdanken.
In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil der Personen mit einem Hochschulabschluss somit erheblich gestiegen. Ein Phänomen, das bereits in der Pflichtschule seinen Anfang nehmen soll, wo Eltern stärker als früher darauf bestehen, ihr Kind am Gymnasium anzumelden. Handelt es sich dabei um einen Trend zum Elitismus, eine Abwertung der Berufsausbildung oder ein Desinteresse der Jugendlichen an handwerklichen Berufen?
In jedem Fall muss dieser Anstieg im Zusammenhang mit der Wirtschaft betrachtet werden. Die Branchen Pharmazie, Medizintechnik, Ingenieurwesen und Finanzdienstleistungen haben an Bedeutung gewonnen. Sie benötigen Fachkräfte. So sehr, dass sich letztendlich folgende Frage stellen lässt: Hat die Akademisierung den Wohlstand geschaffen, oder hat der wachsende Wohlstand die Akademisierung erst ermöglicht?
Die Stärke unseres Bildungssystems ist weit über unsere Grenzen hinaus anerkannt. Die Schweiz verbindet Universitäten und Forschung auf internationalem Niveau mit einem leistungsfähigen Berufsbildungssystem. Die Lehre ist kein Sackgasse: Die Berufsmaturität und die höhere Berufsbildung gewährleisten die Durchlässigkeit des Bildungssystems. Das sollten junge Menschen im Hinterkopf behalten, wenn sie das EFZ als «Sackgasse» betrachten.
Wir sind auch sehr besorgt über den Einfluss der KI auf den Arbeitsmarkt. Logischerweise wird und muss sie auch das Bildungssystem beeinflussen. Inwieweit ist dies bereits der Fall?
Sie wird natürlich zunehmend in die meisten Ausbildungs- und Weiterbildungsgänge integriert. Es liegt auf der Hand, dass ihre Beherrschung die berufliche Eingliederung nur begünstigen kann. Doch ihre Auswirkungen machen sich bereits bei den Studienentscheidungen junger Menschen bemerkbar.
Aktuelle Daten, die vom SRF veröffentlicht wurden, zeigen insbesondere einen Rückgang der Studierendenzahlen in bestimmten akademischen Fachrichtungen wie den Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Zahl der Einschreibungen in geisteswissenschaftlichen Fächern ist im Vergleich zum Jahr 2000 deutlich geringer. Bekanntlich wird diesen Studiengängen oft vorgeworfen, von den Studierenden eher aus persönlichem Interesse als wegen eines Mehrwerts für die wirtschaftliche Produktivität gewählt zu werden. Bislang haben die Statistiken stets widerlegt, dass sie der Königsweg in die Arbeitslosigkeit seien. Doch ihre häufigsten Berufsfelder (Redaktion, Übersetzung, statistische Erhebungen) sind unbestreitbar von der KI-Revolution betroffen. Selbst die Informatik, die lange Zeit als sicherer Wert galt, wird angesichts der zunehmenden Automatisierung bestimmter Aufgaben nun in Frage gestellt.
In jedem Fall ist die Aufwertung der höheren Berufsbildung durch neue Abschlüsse ein interessanter Ansatz, um daran zu erinnern, dass ein gut funktionierender Arbeitsmarkt über möglichst komplementäre Profile verfügen muss. Und die entscheidende Frage im Hinblick auf den Wohlstand lautet nicht, welchen Abschluss wir besitzen, sondern ob wir den Menschen die Möglichkeit geben, ihre Kompetenzen während ihres gesamten Berufslebens weiterzuentwickeln.