Was ist Klimainflation?

Die Erderwärmung bleibt nicht ohne Folgen für das Budget der Erwerbstätigen. Dürren, die Ernten vernichten, und extreme Wetterlagen beeinflussen – unter anderem – den Konsumentenpreisindex und die Versicherungsprämien.

Erinnerst du dich an die Hitzewelle von 2003? Ein drückend heisser Sommer, den man damals als Ausnahmeerscheinung bezeichnete. Zweiundzwanzig Jahre später werden Temperaturen von über 35 Grad an mehreren Tagen – ja Wochen – am Stück zur neuen Normalität. Der aktuelle Sommer hat das einmal mehr bestätigt.

Für Erwerbstätige sind die Folgen spürbar. Zu Sommerbeginn wandten sich mehrere Journalist*innen an Angestellte Schweiz mit Fragen zu den Gesundheitsrisiken des Arbeitens bei starker Hitze – auch in Büros. Doch wie sieht es mit den Auswirkungen auf das Portemonnaie der Angestellten aus?

Steigende Rohstoffpreise

Nachdem wir unsere Lohnforderungen 2027 soeben veröffentlicht haben, interessiert uns diese Frage besonders. In der Presse wird derzeit ein Phänomen thematisiert, das als «Klimainflation» bezeichnet wird: Die Erderwärmung beeinflusst demnach den Konsumentenpreisindex direkt. Ein bemerkenswerter Befund – gerade angesichts der Tatsache, dass einige Volksabstimmungen zugunsten des Klimas am Widerstand gegen Klimaabgaben gescheitert sind, die angeblich die Kaufkraft bedroht hätten.

Am deutlichsten zeigt sich das Phänomen bei den Lebensmitteln. Jede Hitzewelle, die den Ernteertrag schmälert, schlägt sich auf die Nahrungsmittelpreise nieder: Wird eine Rohware knapper, steigt ihr Preis unweigerlich. Angesichts der Verzögerung von einigen Monaten zwischen Missernten und Preissteigerungen lässt sich mit einiger Sicherheit sagen, dass Schweizer Haushalte 2027 mehr fürs Essen zahlen werden. Fachleute haben es bestätigt: Dieses Jahr sind die Ernten bereits um 10% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Und nach der Hitzewelle von 2022, die Afrika verwüstete und unter anderem den Kakaopreis drastisch in die Höhe trieb, verzeichnete die Europäische Zentralbank eine Inflation von 0,67%. Dieser Wert liegt höher als die Inflation, die der aktuelle Krieg im Nahen Osten verursacht.

Versicherungen und Gebäude

Auch der Versicherungsbereich ist von der Klimainflation betroffen. Extreme Wetterereignisse treiben die Zahl der Schadenfälle stark in die Höhe. Brände, Hagel, Stürme: Da Versicherungsunternehmen immer häufiger hohe finanzielle Verluste durch solche Ereignisse abdecken müssen, reagieren sie mit Erhöhungen der jährlichen Prämien für ihre Kundschaft.

Diese Kosten kommen zu den ohnehin schon erheblichen Ausgaben der Energiewende hinzu – einer Transition, die auch die Anpassung unserer Gebäude und Infrastrukturen an die neuen Temperaturen umfasst. Organisationen wie Swiss Engineering haben bereits eingehende Überlegungen zur Anpassung der Architektur an ein zunehmend mediterranes Klima angestellt. 

Die Kurzsichtigkeit der Investoren

Erstaunlich in diesem Zusammenhang: Während geopolitische Erschütterungen direkte Auswirkungen auf die Börsenmärkte haben, scheint die Klimakrise die Investorinnen und Investoren kaum zu beeindrucken. Trotz der Hitzewellen Anfang August verzeichneten die Märkte Rekordwachstum. Das zeigt: Klimarisiken werden von den Anleger*innen nicht eingepreist. Anders als etwa der Krieg im Iran, der laut Analysten alle anderen Bedrohungen in den Hintergrund rücken würde.

Alle Arbeitnehmenden sind davon betroffen

Die Erwärmung beeinflusst unsere Lebensweise, und diese negativen Folgen wirken sich auf die Arbeitnehmenden in den unterschiedlichsten Bereichen aus. Die Kaufkraft zu sichern, ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Aufgaben; jedes Jahr berücksichtigen wir in unseren Forderungen die steigenden Lebenshaltungskosten, um die gewünschte Indexierung für die Löhne des folgenden Jahres festzulegen. Unsere Empfehlungen für 2027 findest du unter diesem Link.

Und weil jeder und jede auf seine oder ihre Weise zu einer umweltfreundlichen Arbeitswelt beitragen kann, wird unser Kurs «Nachhaltigkeitsbeauftragte*r» im Oktober zum dritten Mal in Folge angeboten:

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Agenda 2030: eine gemischte Bilanz

Wie steht es mit der Politik? Im Jahr 2015 hat die Schweiz in New York die Agenda 2030 ratifiziert und sich damit zu konkreten Massnahmen in den Bereichen Nachhaltigkeit, verantwortungsvolles Wirtschaften und gesellschaftliches Wohlergehen verpflichtet. Der im Juli veröffentlichte Bericht bescheinigt ihr gute Noten bei der Armutsbekämpfung und im Gesundheitsbereich, stellt aber nach wie vor Defizite bei nachhaltigem Konsum und nachhaltiger Produktion, beim Klimaschutz und beim Schutz der Biodiversität fest. Auch die negativen Auswirkungen unserer Konsumgewohnheiten auf andere Länder wurden festgehalten.

Autor:in

Laure Fasel

Laure Fasel

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