Wie Emotionen unseren Arbeitsalltag beeinflussen
Eine Projektidee wird abgelehnt, eine Entscheidung hinterfragt – solche Erfahrungen machen alle Angestellten. Eine harmlose Niederlage im Berufsalltag als Chance sehen? Das gelingt nur den wenigsten. «Die Arbeit ist für viele Menschen mit dem eigenen Selbstwert und der eigenen Identität verbunden. Deshalb können bereits kleinere Rückschläge emotional überraschend stark wirken.» Dies sagt Prof. Jan Schmutz vom Psychologischen Institut der Universität Zürich.
Der Arbeitspsychologe beobachtet häufig eine Art Alles-oder-Nichts-Denken. Dies bedeutet, dass sich Menschen als kompetent oder inkompetent, erfolgreich oder erfolglos sehen. «Wenn dann eine Idee abgelehnt wird oder kritisches Feedback erfolgt, wird dies schnell als Bedrohung des eigenen Selbstwerts erlebt, auch wenn eine einzelne Niederlage wenig darüber aussagt, ob jemand grundsätzlich kompetent oder erfolgreich ist.»
Viele Menschen sind selbst ihre strengsten Kritiker. Zudem nimmt der Leistungsdruck am Arbeitsplatz tendenziell zu. So verstärkt sich die negative Dynamik, die ein Rückschlag im Job hervorrufen kann. Erhöhter Stress und emotionale Erschöpfung sind die Folgen. Ein möglicher Schutzmechanismus von Angestellten: Das Vertuschen von Fehlern.
Prof. Jan Schmutz rät zu voller Transparenz im Umgang mit Fehlern, auch wenn sich dies im ersten Moment unangenehm anfühlt. «Menschen reagieren oft positiver auf Fehler, wenn jemand reflektiert und lernbereit damit umgeht, statt defensiv oder ausweichend zu reagieren.» In Teams und Organisationen entstehen grössere Schwierigkeiten meist, wenn Fehler zu spät angesprochen werden und nicht wegen eines ursprünglichen Fehlers. Erkenntnisse aus der Teamforschung zeigen: Teams lernen und verbessern sich vor allem dann, wenn Probleme offen kommuniziert werden und die Möglichkeit besteht, gemeinsam darüber zu reflektieren und daraus zu lernen.
Ob Niederlagen oder Fehler als persönliches Drama empfunden werden, hängt darum meist vom Teamklima ab. Traue ich mich Fragen zu stellen, Vorschläge einzubringen oder Fehler zuzugeben? Psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz ist eine wesentliche Voraussetzung, dass Angestellte einen Rückschlag als gemeinsame Lernchance sehen und nicht als persönliches Versagen. Studien zeigen zudem, dass Teams mit hoher psychologischer Sicherheit häufig auch innovativer und leistungsfähiger sind.
Der Arbeitspsychologe empfiehlt, aktiv Feedback einzuholen und den Blick auf Dinge zu richten, die man selbst beeinflussen kann. «Die Forschung zeigt, dass Menschen, die aktiv nach konkretem Feedback suchen, häufig besser lernen und sich langfristig erfolgreicher weiterentwickeln.» Aus einem Misserfolg wird dann nicht nur eine Enttäuschung, sondern auch eine wichtige Informationsquelle für die eigene Entwicklung.