KI sprengt die Grenzen des Möglichen

Zwischen Unterhaltung und Versprechen einer besseren Welt überraschen uns ChatGPT und Co. immer wieder aufs Neue. Ob in der Landwirtschaft oder dem Gesundheitswesen: Ist ein Leben ohne KI noch vorstellbar?

ChatGPT gibt es erst seit November 2022 und wie ein Kleinkind hat der Chatbot von Anfang an viel Aufmerksamkeit erhalten. Vor allem hat er sein aussergewöhnliches Gehirn einer Vielzahl von Anwendungen zur Verfügung gestellt, die abwechselnd versprechen, unser Leben zu verändern. In welchen Bereichen sind die Erwartungen am grössten? Und am ungewöhnlichsten?

 

KI und Kühe

Der Primärsektor, die Landwirtschaft, wird oft als am Rande der Moderne stehend betrachtet. Doch die Herausforderungen der landwirtschaftlichen Berufe sind zahlreich: hohe Arbeitsbelastung, Klimawandel, Nachhaltigkeit... Kann die KI Unterstützung bieten? Pilotprojekte forschen in diese Richtung. Auf den Feldern werden beispielsweise Sensoren eingesetzt, die dann Algorithmen unterzogen werden, die es ermöglichen, mit den Pflanzen zu «sprechen», um ihren Dünger- und Wasserbedarf zu verstehen. So können beispielsweise frühe Anzeichen von parasitären Infektionen erkannt oder unnötiges Giessen vermieden werden.

Im Bereich der Tierhaltung gibt es ähnliche Initiativen. Im benachbarten Frankreich haben zwanzig Pilotbetriebe ihre Kühe mit KI-Halsbändern und Chips ausgestattet, welche die Besitzer*innen per Nachricht über die Gesundheit der Tiere informieren. Trotz der hohen Kosten der Programme bestätigen die ersten Erfahrungsberichte eine Steigerung der Produktion und eine Arbeitserleichterung für die Landwirt*innen. Damit verbunden ist die Hoffnung, den Nachwuchsmangel in diesem grundlegenden Beruf einzudämmen.

 

Auf dem Weg zur Gesundheit 3.0

Ein weiterer Bereich, der starkem Druck ausgesetzt ist, ist das Gesundheitswesen. Kann die KI die Patient*innen und gleichzeitig das Pflegepersonal entlasten? Die Erwartungen der Fachleute an die Diagnostik sind vielfältig. Die schnelle Analysefähigkeit der KI ermöglicht es beispielsweise Ärzt*innen, medizinische Bilder präzise und effizient zu interpretieren. Telemedizin und die Betreuung von Patient*innen zu Hause sowie die Verbesserung von Arbeitsprozessen in der Pflege sind ebenfalls von diesen Entwicklungen betroffen.

Im Hinblick auf die Kostenoptimierung steht auch die Frage der Patient*innenautonomie im Mittelpunkt. Könnten Menschen, die an chronischen Krankheiten leiden, mithilfe von Software ihre Abhängigkeit von behandelnden Ärzt*innen verringern, indem sie ihre Daten und die Entwicklung ihres Gesundheitszustands selbst analysieren? Einige Smartphone-Apps zur Analyse des Blutzuckerspiegels oder des Blutdrucks haben sich bereits bewährt.

Aber die Erwartungen hören hier nicht auf. Google hat bereits eine erste Version seiner Anwendung Med-Palm II auf den Markt gebracht, eine Art Chat GPT der Medizin, die über fundierte Kenntnisse in der Beurteilung von Behandlungen und Diagnosen verfügen soll, basierend auf einer Beschreibung der Symptome. Derzeit in der Testphase und nur in bestimmten Ländern verfügbar, stösst die Initiative sowohl auf Begeisterung als auch auf Misstrauen seitens der Ärzteschaft.

 

Ist ein Leben ohne KI möglich?

Ein Leben ohne KI wird oft mit dem blossen Fernbleiben von generativen KI-Tools wie ChatGPT gleichgesetzt. Dies ist jedoch ein Irrglaube, denn KI ist allgegenwärtig und oft unsichtbar. Sie kommt in Smartphones (Korrekturhilfen, Gesichtserkennung), sozialen Netzwerken (Empfehlungsalgorithmen), Online-Shopping, GPS-Navigation und sogar in Bankgeschäften zum Einsatz. Selbst ohne direkte Interaktion mit einem Chatbot basieren die meisten modernen Dienste auf KI, was ihre Abwesenheit in einem vernetzten Lebensstil nahezu unmöglich macht.

 

Und zum Schluss noch einige Beispiele für ungewöhnlichsten Leistungen der KI:

Dank KI kannst du jetzt einfach:

  1. Wie ein Profi kochen: Für Feinschmecker*innen gibt es jetzt vernetzte Backöfen mit integrierter Kamera. Das Gerät fotografiert dein Gericht: Anhand der erkannten Zutaten informiert es dich über den optimalen Garpunkt und passt die Einstellungen an, indem es das Aussehen des Essens während des Garvorgangs überwacht.
  2. Mit Tieren sprechen: Im Basler Zoo arbeiten Biolog*innen und Datenanalyst*innen zusammen, um das Sprachverständnis von Affen zu optimieren. Dazu werden die Lautäusserungen der Primaten aufgezeichnet und mit der KI-Analyse von Gesten und Gesichtsausdrücken kombiniert. Ähnliche Initiativen für andere Tierarten (Hunde, Wale) gibt es mittlerweile auf der ganzen Welt.
  3. Songwriter werden: Wähle einen Musikstil, eine Stimme und wenn du möchtest, einen Text. Im Handumdrehen hast du eine offizielle und einzigartige Hymne für deine privaten Veranstaltungen oder dein Unternehmen. Ziemlich unterhaltsam!
  4. Richte dein Zuhause neu ein: Möchtest du dein Haus renovieren? Mache ein Foto von deinem Wohnzimmer und lade es in eine spezielle KI-Anwendung hoch. Dank der Filter kannst du dir dann dein Interieur im skandinavischen, tropischen oder Bohème-Stil vorstellen. Andere Apps, die sogenannten „Haarschnitt-Simulatoren“, bieten die gleichen Funktionen für dein Gesicht, wenn du zögerst, bevor du deine Haare schneiden oder färben willst.
  5. Dich akzentfrei auf Chinesisch ausdrücken: Zehn neue Sprachen in deinem Lebenslauf? Dank Software wie HeyGen ist das jetzt möglich. Sie klont die Stimme einer gefilmten Person, indem sie sie in einer anderen Sprache sprechen lässt. Aus einem 30-Sekunden-Video erstellt sie deinen mehrsprachigen Avatar und koordiniert die Lippenbewegung. Diese Techniken werden beispielsweise in multinationalen Unternehmen in Produktpräsentationsvideos eingesetzt.

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Autor*in

Laure Fasel

Laure Fasel

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