Die philosophische Herausforderung der KI

Unternehmen, Fachkräfte und die Gesellschaft müssen sich auf neue Arbeitsprozesse, Berufsprofile und Qualifikationsanforderungen einstellen. Doch was bedeutet das konkret? Wer ist betroffen? Und wie können wir die Transformation erfolgreich gestalten?
KI-Technologien wie maschinelles Lernen, generative KI und KI-gesteuerte Robotik können industrielle Prozesse revolutionieren und tun es bereits heute. Smarte Maschinen wie kollaborative Roboter, die in der Fertigung mit Menschen zusammenarbeiten, oder KI-gestützte Maschinen, die selbstständig Produktionsprozesse optimieren, steigern die Effizienz erheblich. Integrierte KI-Systeme wie vorausschauende Wartungslösungen erkennen frühzeitig Verschleiss oder Defekte und minimieren ungeplante Stillstände. Diese Innovationen können für die exportorientierte Schweiz mit ihrem hohen Lohnniveau zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
Die Vernetzung von Geräten und Maschinen durch Sensorik und Internet-Anbindung ist nicht neu, erhält durch KI jedoch einen intelligenten Beschleuniger. In der Praxis übernehmen Maschinen noch mehr manuelle und repetitive Aufgaben. Insbesondere in Wartung, Logistik und Verwaltung entstehen weitere teil-autonome und autonome Prozesse. Beispiele aus der Verwaltung sind KI-gestützte Verkaufsprozesse oder Chatbots für den Kundenservice. Eine rasche Adoption der Technologie findet aktuell im Marketing und im HR-Management statt. In unserem Research und im Austausch mit mehreren Hundert Fach- und Führungskräften an unseren Weiterbildungen sehen wir jedoch, dass alle Funktionen und Branchen von der Entwicklung betroffen sind.
Diese Entwicklung verändert traditionelle Berufe. Fachkräfte werden zukünftig noch stärker mit digitalen Tools arbeiten und den Umgang mit KI-gestützten Systemen erlernen. Neue Berufsbilder wie KI-Spezialisten für industrielle Automatisierung, Datenanalysten für vorausschauende Wartung oder Mensch-Maschine-Koordinatoren in der Produktion entstehen. Auch klassische Berufsfelder verändern sich: Mechaniker müssen KI-gesteuerte Maschinen warten, Ingenieure Algorithmen verstehen, und Führungskräfte datenbasierte Entscheidungen treffen. Angestellte stehen vor der Herausforderung, ihre Arbeitsmarktfähigkeit sicherzustellen und sich gezielt weiterzubilden.
Sich dabei auf den Fachkräftemangel und den aktuell für Arbeitnehmende günstigen Arbeitsmarkt zu verlassen, scheint dabei gefährlich. Zu schnell entwickeln sich gerade technologische Innovationen in der global vernetzten Wirtschaft.
Lebenslanges Lernen sollte zur neuen Norm werden. Der Zyklus von Lernen, Anwenden und Weiterlernen verkürzt sich im Zeitalter der Intelligenz von Jahren auf Monate und Wochen. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind die entscheidenden Karrierefaktoren.
Dank KI können monotone Arbeiten wie die Verarbeitung von Informationen oder gefährliche Arbeiten zum Beispiel mit toxischen Materialien zunehmend von Agenten und humanoiden Robotern übernommen werden. KI-basierte Assistenzsysteme ermöglichen zudem eine effizientere Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschine. Mehr erreichen in der gleichen Zeit – oder weniger arbeiten bei gleicher Produktivität: Das ist das Versprechen.
Dabei funktioniert noch nicht alles richtig und etliche Aufgaben können noch nicht durch KI erledigt werden. Dennoch sollte das niemanden davor bewahren, sich intensiv mit der Technologie auseinanderzusetzen. Relevant ist nie der aktuelle Status, sondern die Frage, wohin die Reise geht und vor allem – wie rasch?
Die rasende Entwicklung der letzten zwei Jahre lässt darauf schliessen, dass es keine Jahrzehnte werden, sondern eher wenige Jahre. Die noch nie dagewesenen Investitionen durch die grossen Tech-Giganten in dreistelliger Milliardenhöhe lassen erahnen, mit welcher Vehemenz der Fortschritt angetrieben wird und mit welcher Geschwindigkeit zu rechnen ist.
Woher der Ertrag für diese Investitionen kommt und vor allem wie er verteilt sein wird, lässt sich meines Erachtens noch nicht abschliessend einschätzen. Jeder Angestellte und die Gemeinschaft der Mitarbeitenden können jedoch viel dafür tun, um in dieser Entwicklung relevant zu bleiben.
Die Weiterbildung im Sinne des lebenslangen Lernens wird nochmals an Bedeutung gewinnen. Unternehmen sollten ihren Fokus noch stärker auf digitale Kompetenzen und KI-Fähigkeiten legen, um ihre Belegschaft fit für die Zukunft zu machen und den Anschluss nicht zu verpassen.
Die Verantwortung dafür kann jedoch nicht auf die Unternehmen abgeschoben werden. Die Bereitschaft für Veränderung und das Aktivwerden liegt gleichermassen in den Händen jedes Mitarbeitenden selbst.
Unternehmen sollten offen und transparent kommunizieren, wie sie mit der Transformation umgehen und wie sie diese implementieren. Das ermöglicht den Mitarbeitenden, den Wandel mitzugestalten.
Die ganze Branche ist gefordert, neue Berufsbilder frühzeitig zu identifizieren und zu entwickeln. Welche neuen Rollen und Qualifikationen wann benötigt werden, ist nicht eindeutig vorhersehbar. Dafür braucht es einen intensiven Dialog zwischen KI-Forschenden, Arbeitnehmenden, Unternehmen und der Politik.
Es liegt an uns allen, durch intensive Auseinandersetzung und Zusammenarbeit dafür zu sorgen, das Potenzial zu nutzen. Die politische Instabilität rund um den Globus verstärkt diesen Umstand. Wir sind alle angehalten, zu handeln. Jetzt ist der Moment, aktiv zu werden – Zögern ist keine Option.
«Die Schweiz hat ihre Innovationskraft schon oft bewiesen. Doch sie ist kein Selbstläufer – es braucht Engagement und Mut zur Veränderung. Viele fundamentale Fragen treffen heute noch auf wenig klare Antworten. Wir freuen uns, dies zusammen mit Angestellte Schweiz und weiteren Partnern zu ändern und haben spannende Initiativen geplant. Mit der nötigen Aufmerksamkeit und agilem Handeln können wir mit Stärke aus diesem Wandel hervorgehen und alle davon profitieren. Gerne lade ich Sie ein, gemeinsam auf diese Reise zu gehen.»
Roger Oberholzer ist Leiter der Kuble Academy und beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Digitalisierung. Die Kuble AG vermittelt praxisnahe KI-Kompetenz und unterstützt Unternehmen in der Transformation ins Zeitalter der Intelligenz. Angestellte Schweiz bietet in Zusammenarbeit mit der Kuble Academy verschiedene Weiterbildungsformate im Bereich der Künstlichen Intelligenz an. Der KI-Chatbot Kaiu von Angestellte Schweiz wurde durch Kuble entwickelt. Aktuell wird an einem neuen Gefäss gearbeitet, das sich vertieft mit der Arbeit der Zukunft im Zeitalter von KI auseinandersetzt.