WEF 2026: Erkannte Risiken, ausstehende Lösungen

Das Davoser Forum ist weit mehr als politische Debatten und prominente Persönlichkeiten im Rampenlicht. Es lohnt sich, das Weltwirtschaftsforum (WEF) aus seiner ursprünglichen Perspektive zu betrachten: als Einschätzung von Fachleuten zu Risiken, die uns alle betreffen. Wir haben die wichtigsten Punkte für dich zusammengefasst.

Lässt sich dem WEF noch etwas abgewinnen, nachdem Trump die Stimmung getrübt hat? Glaubt man den Schlagzeilen, stand die Ausgabe 2026 unter dem Motto «Ein Geist des Dialogs» vor allem im Zeichen der geopolitischen Unsicherheit, die sich derzeit schonungslos aufdrängt.

Angesichts unserer Aufgaben können wir als Angestellte Schweiz die Veranstaltung jedoch nicht ignorieren. Das WEF ist ursprünglich mehr als eine Gelegenheit für die Grossmächte, sich um Grönland zu streiten. Die gemeinnützige Organisation wird von über 1000 Mitgliedsunternehmen finanziert und besteht seit 1971 mit dem Ziel, «den Zustand der Welt zu verbessern».

Jedes Jahr bietet das WEF eine Reihe von Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen an, die sich auf die globale wirtschaftliche Entwicklung konzentrieren. Wir haben das Programm erkundet und die aus unserer Sicht relevanten Punkte für dich zusammengefasst.

Eine Zukunft, die nachdenklich stimmt

Das Forum fällt mit der Veröffentlichung des neuen Global Risk Report zusammen, einem detaillierten Bericht über die Wahrnehmung globaler Risiken. Die Umfrage unter 1300 Fachleuten prognostiziert ein nächstes Jahrzehnt, das von einem unter Druck stehenden multilateralen System geprägt sein wird. In dieser Konstellation sind die grössten Risiken geoökonomische Konfrontationen, bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen, die Polarisierung der Gesellschaft und Desinformation. Unter den Top zehn finden sich auch die Folgen von Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und die digitale Unsicherheit.

So beurteilen 50 % der Befragten die nächsten zwei Jahre als turbulent, wenn nicht gar stürmisch; blickt man zehn Jahre in die Zukunft, steigt dieser Wert sogar auf 57 %. Dieser latente Pessimismus wird stark durch die Erschütterung der geopolitischen Weltordnung beeinflusst. Die Länder gehen zunehmend ihre eigenen Wege und gestalten ihre Beziehungen nach ihren persönlichen Interessen.

Wir beobachten einen Rückgang des Vertrauens, eine Schwächung der Transparenz und der Rechtsstaatlichkeit sowie einen zunehmenden Protektionismus. Dies bedroht langjährige internationale Beziehungen, den Handel und Investitionen.

KI: Zwischen Idealismus und Besorgnis

Die KI hat in den Diskussionen einen wichtigen Platz eingenommen: In wenigen Jahren hat sie sich von einer Spitzentechnologie zu einer Kraft entwickelt, die Wirtschaft, Gesellschaft und Sicherheit prägt. So erwarten 86 % der Unternehmen weltweit, dass die KI ihre Geschäftsmodelle bis 2030 verändern wird.

Einige sagen einen positiven Einfluss auf den Arbeitsmarkt voraus, mit einem Zuwachs von 78 Millionen Arbeitsplätzen weltweit bis 2030. Eine pessimistischere Sichtweise geht davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren bis zu 50 % der Bürojobs wegfallen könnten, insbesondere bei Personen mit wenig Erfahrung. Weitere Risiken einer massiven und unkontrollierten Entwicklung der KI sind zunehmende Ungleichheit, Informationschaos, eine grosse Energiekrise sowie eine Erosion der Berufsidentität oder des Sinns der Arbeit.

Was antworten die Fachleute auf diese Probleme? Wie erwartet präsentieren die Chefs grosser Firmen wie Microsoft oder Google DeepMind diese Technologie als Rettung für die Welt. Sie versichern, dass sie unsere Gesundheitssysteme, unsere öffentlichen Dienste und die Wirtschaft drastisch verbessern wird. Zudem biete sie weniger qualifizierten Arbeitnehmenden wichtige Werkzeuge, um fehlende Kompetenzen auszugleichen.

Die Sorgen betreffen vor allem die Geschwindigkeit des Fortschritts: Jede Technologie führt zum Verschwinden bestimmter Berufe; die Menschen müssen sich weiterbilden, um sich anzupassen. Die Zeit, die für die Entwicklung neuer Kompetenzen benötigt wird, ist jedoch länger als der technologische Fortschritt. Problematisch ist also der Übergang. Für die führenden Köpfe der KI-Branche kommt eine Verlangsamung jedoch nicht infrage, zumal auch die chinesische Konkurrenz im Rennen ist.

Es ist daher von grundlegender Bedeutung, die Arbeitnehmenden in die Entwicklungsprozesse einzubeziehen. Zudem braucht es einen regelmässigen Dialog zwischen den Bedürfnissen der Unternehmen und den Bildungsinstitutionen. Die schnellen Entwicklungen bergen das reale Risiko, dass Personen, die eine mehrjährige Ausbildung beginnen, Wissen erwerben, das beim Eintritt in den Arbeitsmarkt bereits veraltet ist.

Ökologischer Wandel und Leadership

Der Global Risk Report 2026 zeigt, dass der Kampf gegen Umweltverschmutzung oder für die Biodiversität auf der Skala der Hauptanliegen nach unten gerutscht ist, während extreme Wetterereignisse zunehmen. Der Grund: Die geopolitische Unsicherheit dominiert. Doch trotz einiger Kontroversen und Pro-Fossile-Energie-Positionen hat das WEF die Nachhaltigkeit als unabdingbaren Bestandteil einer glaubwürdigen Führung bestätigt.

Laut dem Bericht «Already a Multi-Trillion-Dollar Market: CEO Guide to Growth in the Green Economy» könnten naturfreundliche Geschäftsmodelle bis 2030 einen zusätzlichen Wert von bis zu 10 Billionen US-Dollar pro Jahr generieren. Diese Tatsache hilft, die Vorstellung eines unvermeidlichen und erklärten Gegensatzes zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschutz zu überwinden.

Die Finanzierung des Wandels ist ein weiterer zentraler Punkt. Davos 2026 legt den Schwerpunkt auf Investitionen von privatem Kapital. Zu den genannten Zielen gehören die Mobilisierung von jährlich 1300 Milliarden US-Dollar bis 2035 und die Verdreifachung der Finanzmittel für die Anpassung durch öffentlich-private Partnerschaften.

Wie bei der Arbeitsmarktfähigkeit kann die KI den Wandel sowohl bremsen als auch beschleunigen. Die Energiemenge, die für den Betrieb der KI-Programme benötigt wird, verärgert die Klimaschützerinnen und -schützer. Gleichzeitig kann die KI Energienetze optimieren, Infrastrukturen widerstandsfähiger machen und das Management von Klimarisiken verbessern. Sie wird auch für die Biodiversität und die Katastrophenprävention eingesetzt.

Von der Theorie zur Praxis?

Diese Ausgabe des WEF bestätigt uns: In der heutigen Weltlage sind die Risiken real und die Absichten edel, aber die in den Konferenzen genannten Lösungen müssen erst noch in die Praxis umgesetzt werden. Denn bei den meisten Themen liefert das Forum zwar eine kohärente und motivierende Erzählung, doch die konkrete Umsetzung hängt stark vom Willen der tonangebenden Akteure ab.

Wenn Angestellte ermutigt werden, sich mit KI weiterzubilden, müssen auch die Unternehmen und die Verantwortlichen in der Politik aktiv werden, damit niemand zurückbleibt. Zudem dürfen ökologische Fragen nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Rentabilität betrachtet werden, sondern müssen auch soziale Gerechtigkeit und nicht-kommerzielle gesellschaftliche Bedürfnisse berücksichtigen.

Schliesslich hat das Forum 2026 bestätigt, dass zurzeit die geopolitischen Konflikte die Aktualität beherrschen. Auch wenn deren Entwicklung direkt mit der Zukunft des Arbeitsmarktes zusammenhängt, dürfen die Sorgen der Einzelnen um ihre berufliche Zukunft nicht in den Hintergrund treten. Lasst uns gemeinsam nach Lösungen für eine bessere Zukunft suchen, als es der Global Risk Report voraussagt. Und das gelingt nur im Dialog.

Autor*in

Laure Fasel

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