Jobverunsicherung nimmt zu – besonders bei Jungen

Unternehmensentscheide, Kostendruck und KI belasten Angestellte stärker als geopolitische Umwälzungen. Das zeigt unsere repräsentative Studie, die wir gemeinsam mit dem Institut DemoSCOPE durchgeführt haben.

Zuletzt haben der Zollstreit und der Handelskrieg viele Unternehmer*innen beunruhigt. Doch wie sieht es bei den Angestellten aus und bei Berufsgruppen, die vom weltpolitischen Geschehen weniger direkt betroffen sind? Diese Fragen haben uns dazu bewogen, eine breit angelegte Umfrage zu starten. Denn: Wie können wir die Interessen der Arbeitnehmenden vertreten, wenn wir ihre aktuellen Sorgen und Bedürfnisse nicht kennen?

Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut DemoSCOPE haben wir über 1000 Angestellte in der Schweiz befragt, aus allen drei Sprachregionen und mit einem vielfältigen Stichprobenmix. Im Fokus standen mögliche Ängste rund um den Arbeitsplatz und deren Ursachen und ob konkrete Ereignisse wie aktuelle Entlassungen im eigenen Betrieb oder ein allgemeines Unsicherheitsgefühl aufgrund politischer und technologischer Veränderungen.

Eine von vier Personen ist «eher besorgt» bis «sehr besorgt»

Das Ergebnis: Eine von vier Personen macht sich Sorgen um ihren Job. Eine von zehn hält es für sehr wahrscheinlich, die Stelle in den nächsten zwölf Monaten zu verlieren. Überraschend: Dieses Gefühl ist bei den unter 30-Jährigen häufiger anzutreffen als bei den über 55-Jährigen. Zudem geben 24 % der Befragten an, dass ihre Verunsicherung in den letzten zwölf Monaten zugenommen hat.

Die Unsicherheit ist nicht nur ein Gefühl, sie gründet auf konkreten Erfahrungen: 29 % der Befragten haben in ihrem Betrieb zuletzt eine Reorganisation erlebt, 26 % Entlassungen und 17 % einen Einstellungsstopp.

24 % der Angestellten in Grossunternehmen (mehr als 250 Mitarbeitende) sind im vergangenen Jahr mit dem Einsatz von KI in ihrem Arbeitsumfeld konfrontiert worden.

Eher interne Ursachen

Besonders auffällig: Die Verunsicherung wird kaum auf externe Faktoren zurückgeführt. Nur 10 % der Befragten nennen die weltpolitische Lage als Sorgenquelle. Vielmehr sind strategische Unternehmensentscheide und Kostendruck verantwortlich. Daraus lässt sich schliessen: Menschen fühlen sich stärker von dem betroffen, was nah und greifbar ist, wie Entscheide der Vorgesetzten, mögliche Verlagerungen ins Ausland.

Junge sind am stärksten verunsichert

Ebenfalls überraschend: Die Verunsicherung ist bei 15- bis 30-Jährigen am grössten, obwohl oft von hoher Arbeitslosigkeit bei den über 50-Jährigen die Rede ist. Wie lässt sich das erklären?

Studien zeigen, dass der Einstieg in den Arbeitsmarkt für junge Absolvent*innen zunehmend schwieriger wird. Die Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe steigt leicht. Nach dem Studium folgen häufig zunächst befristete Verträge. Und Stellen mit weniger Verantwortung – etwa Praktikumsstellen – sind oft die ersten, die durch KI ersetzt werden können. Dazu kommt: Junge haben weniger Netzwerk und weniger Berufserfahrung, was ihnen in Vorstellungsgesprächen zum Nachteil gereichen kann.

Diese Ergebnisse widersprechen dem Bild einer anspruchsvollen Generation Z, die mit neuen Technologien bestens vertraut ist und dem Arbeitsmarkt gelassen gegenübersteht. KI verunsichert auch Junge, wohl weil ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt noch mit grossen Unsicherheiten behaftet sind. Die Sorge gilt der Zukunft bestimmter Berufe und der Frage, ob Maschinen die eigene Stelle übernehmen. In Phasen des Wandels ist das Ungewisse oft destabilisierender als der Wandel selbst.

Weiterbildung als Lösung

82 % der Befragten halten Weiterbildung für eine eher bis sehr geeignete Massnahme gegen die Jobverunsicherung. Ebenso wichtig sind verlässliche wirtschaftliche Perspektiven und eine transparente Unternehmensstrategie. 64 % nennen berufliche Umorientierung als sinnvollen Ausweg. Dies ist ein klares Signal, dass die Zukunft bestimmter Berufe infrage gestellt wird. Von jenen, die sich keine Sorgen um ihren Job machen, geben 42 % an, dass ihr Sicherheitsgefühl auch daher rührt, dass ihre Arbeit nicht durch KI ersetzbar ist.

Ohne psychologische Sicherheit leidet die Arbeitsqualität

Unternehmen tun gut daran, ihren Angestellten Perspektiven zu bieten und offen mit ihnen zu kommunizieren. Denn wer nicht weiss, ob die eigene Stelle mittelfristig gesichert ist, geht schwer motiviert und engagiert zur Arbeit. Fehlt Vertrauen, leiden nicht nur Sicherheitsgefühl und Motivation, sondern auch Zusammenarbeit, Lernbereitschaft und Innovationskraft nehmen ab.

Wer die Arbeitswelt von morgen mitgestalten will, muss mehr bieten als Effizienz und neue Technologien: Es braucht Vertrauen, Perspektiven und Unternehmensentscheide, die nicht auf dem Rücken der Angestellten getroffen werden.

Autor*in

Laure Fasel

Laure Fasel

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