Wenn Produktivität plötzlich kippt

Mobil arbeiten zu können ist ein Plus für viele Arbeitnehmer*innen. Herausforderungen gibt es, aber erst auf den zweiten Blick.

Sandra K. ist Teamleiterin im Projektmanagement eines Grossunternehmens. Sie ist stolz auf die vorteilhaften Arbeitsbedingungen ihres Arbeitgebers und besonders auf die grosszügige Homeoffice-Regelung.

An bis zu vier Tagen können ihre Mitarbeitenden von überall aus arbeiten. Einige haben sogar eine Sonderregelung und sind permanent im Homeoffice, verteilt über verschiedene Städte oder im ländlichen Gebiet. Dennoch sind alle Teil des Teams, egal an welchem Ort sie sich befinden.

Morgendliche Meetings sind das A und O von Sandras Team. Sie tauschen sich über die wichtigsten Tasks aus, verschaffen sich mit dem Projektmanagement-Tool einen gemeinsamen Überblick. Doch an manchen Morgen spürt Sandra schon nach wenigen Minuten: Irgendetwas stimmt nicht.

Das unsichtbare Problem

Es sind keine offensichtlichen Konflikte. Aber Sandra bemerkt die kleinen Signale: Ein Kollege, der seit Wochen kaum noch etwas in den Meetings sagt. Eine Mitarbeiterin, die sich ständig krank meldet. Seit Wochen hat sich das Team nicht mehr physisch gesehen und vielleicht könnte eine Art «Entfremdung» der Grund sein, denkt sie sich.

Was Sandra beobachtet, ist kein Einzelfall.

Laut der FlexWork Trendstudie 2024 der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW arbeitet mittlerweile rund die Hälfte der Schweizer Erwerbstätigen zumindest gelegentlich mobil. Die Mehrheit der Befragten, rund zwei Drittel, sind mit dem Ausmass der mobilen Arbeitsmöglichkeiten zufrieden. Für viele stellt die Option auch ein «Muss-Kriterium» oder einen wichtigen Aspekt bei der Jobsuche dar.

Trotzdem gibt es auch Schattenseiten. Der Gallup State of the Global Workplace Report 2024 liefert Daten, die dem Hype ums mobile Arbeiten widersprechen: 20% der befragten Arbeitnehmenden der Studie geben an, Einsamkeit zu empfinden. Mitarbeitende, die vollständig im Homeoffice arbeiten, haben ein deutlich höheres Mass an Einsamkeit (25 %) als diejenigen, die vollständig vor Ort arbeiten (16 %).

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und der Techniker Krankenkasse in Deutschland von 2026  zeigt ein überraschendes Bild: Im Homeoffice arbeiten wir rund 20 Prozent produktiver als im Büro. Doch die Gesamtproduktivität steigt weniger stark, da fachlicher Austausch und informelle Gespräche vor allem vor Ort stattfinden. Ab einem Homeoffice-Anteil von etwa 60 Prozent kippt dieser Effekt sogar. Der Grund: Was wir an Fokuszeit gewinnen, verlieren wir an Teamspirit.

Drei Tipps gegen das Gefühl, sich voneinander zu entfernen

Sandra informiert sich und recherchiert drei Tipps für ihr Team, um diesem Effekt entgegenzusteuern.

  1. Sichtbar bleiben ohne konkreten Anlass Im Büro sieht man sich, auch wenn es nichts Konkretes zu besprechen gibt. Im Homeoffice muss man diese Sichtbarkeit aktiv herstellen. Nicht nur schreiben, wenn man etwas braucht. Mal anrufen, um zu fragen, wie es läuft. Einen interessanten Artikel teilen. Im Teamchat kommentieren. Es geht nicht um Selbstdarstellung, sondern darum, präsent zu bleiben.
  2. Den informellen Austausch suchen Die wichtigsten Informationen fliessen oft nicht in offiziellen Meetings, sondern dazwischen. Im Homeoffice verpasst man genau das. Deshalb braucht es bewusste Gelegenheiten: ein virtueller Kaffee mit einer Kollegin, ein kurzer Anruf vor dem Meeting, ein gemeinsames Mittagessen, wenn man mal im Büro ist.
  3. Ansprechen, was man beobachtet Wer merkt, dass der Anschluss verloren geht, sollte nicht warten, bis es schlimmer wird. Das Gespräch mit der Führungskraft suchen oder mit Kollegen, denen man vertraut. Nicht als Beschwerde, sondern als Beobachtung. Oft geht es anderen ähnlich und gemeinsam lassen sich Lösungen finden.

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Sandra wird mit ihrem Team einen kleinen Massnahmenplan erarbeiten.

Letztlich geht es nicht darum, ob Homeoffice gut oder schlecht ist. Es geht darum, wie Teams zusammenarbeiten unabhängig davon, wo sie gerade sitzen. Es geht um klare Spielregeln, bewusste Kommunikation und eine Kultur, in der man auch mal zugeben darf, dass man sich isoliert fühlt.

 

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