Jungen und Mädchen: Selbstbild unterschiedlich

Die Mehrheit der Schweizer Jugendlichen, über 80%, blickt positiv auf sich selbst. Das zeigt die neueste Jugendstudie von Pro Juventute. Doch es gibt gravierende Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Was könnten die Gründe dafür sein? Eine Einordnung.

Was ist das Selbstbild?

Das Selbstbild ist die Vorstellung, die eine Person von sich selbst hat. Es umfasst, wie wir unsere eigenen Fähigkeiten, unser Aussehen, unseren Charakter und unseren Wert einschätzen. Dabei unterscheidet man zwischen dem realen Selbstbild (wie ich mich sehe) und dem idealen Selbstbild (wie ich gerne wäre). Je grösser die Kluft zwischen beiden, desto grösser in der Regel der innere Druck.

Wer prägt das Selbstbild?

Mehrere Einflüsse prägen das Selbstbild junger Menschen. Eltern und Familie sind die erste Quelle: Wer als Kind Wertschätzung, Rückhalt und konstruktives Feedback erfährt, entwickelt in der Regel ein stabiles Fundament. Nach und nach übernehmen Freunde und Kollegen einen wichtigen Anteil an Anerkennung und Bestätigung.

Kluft zwischen den Geschlechtern

Die aktuelle Studie zeigt, einen Unterschied zwischen den Geschlechtern: männliche Teilnehmende zeigten sich stärker von den eigenen positiven Eigenschaften überzeugt als weibliche, etwa bei den eigenen Fähigkeiten (männlich 86.9% vs. weiblich 80.0%), oder bei der Zufriedenheit mit dem eigenen Aussehen (männlich 84.6% vs. weiblich 74.6%).

Rollenbilder prägen

Was heisst das über unsere Gesellschaft? Man könnte annehmen, Rollenbilder seien immer noch patriarchal geprägt und Männer sehen sich in unserer Gesellschaft als schöner, erfolgreicher und leistungsstärker.

Auch hier gibt es zahlreiche Untersuchungen. Festzuhalten sind sehr unterschiedliche Ergebnisse:  

Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat 2023 in seiner Erhebung zu Familie und Generationen gezeigt, wie sich die Vorstellungen zu Geschlechterrollen in der Schweiz verändert haben. Das Ergebnis ist ermutigend: Nur noch rund ein Viertel der Bevölkerung findet, dass Männer das Geld verdienen sollten – vor zehn Jahren waren es noch 39 Prozent.

Die Gesundheitsförderung Schweiz hat 2024 in einer qualitativen Studie zur psychischen Gesundheit junger Frauen einen weiteren Zusammenhang beleuchtet: Die Herkunftsfamilie vermittelt häufig noch ein traditionelles Rollenbild, das sich stark von den eher gleichberechtigten Darstellungen in sozialen Medien unterscheidet. Diese Diskrepanz führt bei vielen jungen Frauen zu Stress.

Bereits eine Längsschnittstudie über den Zeitraum 2000–2017 (Social Change in Switzerland) hat gezeigt: Männer und Personen mit niedrigerem Bildungsabschluss vertreten in der Schweiz tendenziell traditionellere Einstellungen zu Geschlechterrollen.

Und obwohl die «gesellschaftliche Stimmung» gleichberechtigt geworden ist, bleibt das Bild der Mutter, die für die Kinder zuhause bleibt, tief in den Köpfen verankert. Sobald eine Frau Mutter wird, greift das traditionelle Rollenbild oft wieder.

Offener für psychologische Themen

Der gesellschaftliche Wandel hat das Bewusstsein für psychologische Themen gestärkt. Es ist heute leichter, über Unsicherheiten zu sprechen als noch vor zwanzig Jahren.

Eine komplette Angleichung der Selbstbilder zwischen den Geschlechtern hat in der jungen Generation offenbar noch nicht stattgefunden.

Mehr zur aktuellen Studie von Pro juventute: download-jugendstudie

Die Studie zeigt den Umgang mit Stress, Krisen, Mediennutzung und Resilienz bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Schweiz.

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