Dieser (utopische?) Traum: mit 40 in Pension
Jede*r erinnert sich an den 1. August 2025: Nach einem abrupten Telefonat mit den USA wurden der Schweiz Zölle von 39 % auferlegt. Die Verhandlungen zur Senkung dieses Satzes forderten anschliessend viel Fantasie von Unternehmer*innen und Politiker*innen, die lernen mussten, dieselbe Sprache wie ihre amerikanischen Gesprächspartner*innen zu sprechen. Das alles, um sich Gehör zu verschaffen.
Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende: Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten muss ein Land, das jeden zweiten Franken im Ausland verdient, seine internationalen Handelsbeziehungen pflegen.
Andreia Fernandes spricht fünf Sprachen, hat fast siebzig Länder bereist und verfügt über langjährige Erfahrung im internationalen Arbeitsumfeld. Ihr Webinar «Offenheit oder Diplomatie» bildete somit den Auftakt zu unserer Vortragsreihe «Trump, Xi Jinping und dein Arbeitsplatz», die sich auf die Exportwirtschaft konzentriert. Und die Aushandlung neuer Freihandelsabkommen beginnt mit einer zufriedenstellenden Kommunikation zwischen Akteur*innen unterschiedlicher Kulturen. Wie lässt sich das erreichen?
Eine Kultur umfasst alles, was uns die Gemeinschaft während des Heranwachsens beigebracht hat. Manche Aspekte sind offensichtlich (Sprache, Religion, alltägliche Rituale), doch viele ergeben sich aus impliziten oder unbewussten Mechanismen: unsere Vorstellungen davon, was gut, schlecht, schön oder beängstigend ist… «Kultur ist wie eine mentale Software», schreibt Andreia Fernandes. «Sie läuft im Hintergrund. Niemand sieht sie. Aber sie bestimmt, wie Menschen kommunizieren, ihre Meinung äussern und Entscheidungen treffen.»*
Ausserdem werden wir uns unserer eigenen Kultur erst dann wirklich bewusst, wenn wir sie mit der Kultur anderer vergleichen. Stellt euch eine Weltkarte in unserem Kopf vor: Wenn wir in der Schweiz aufgewachsen sind, steht Europa im Zentrum, Amerika links und Asien rechts. In Japan hingegen finden wir Karten, auf denen der Pazifik im Zentrum steht. Und unser erster Gedanke wird sicherlich sein: «Diese Karte stimmt nicht.» Weil sie nicht die ist, die wir kennen.
Gemäss dem Modell von Erin Meyer, «The Culture Map», sind im interkulturellen Management acht Aspekte zu berücksichtigen: Kommunikation, Feedback, Führung, Entscheidungsfindung, Vertrauensbildung, der Umgang mit Meinungsverschiedenheiten, Planung und Überzeugungsarbeit. Hier einige konkrete Beispiele:
Letztendlich bieten kulturelle Unterschiede Anhaltspunkte, reichen aber nicht aus, um eine Person zu definieren. Vorstellungen von fremden Kulturen beruhen oft auf Vorurteilen, und dabei geht es nicht um Rassismus oder Böswilligkeit: Das Gehirn kategorisiert Menschen spontan, um eine äusserst komplexe Welt zu vereinfachen. Oft handelt es sich um Vorstellungen, die auf Tendenzen und Durchschnittswerten beruhen, die jedoch nicht als allgemeingültige Regel gelten. Pünktlichkeit ist beispielsweise in der Schweiz wichtiger als in Spanien. Das bedeutet nicht, dass es keine pünktlichen Spanier gibt oder dass die Schweizer nie zu spät kommen.
Wenn man also mit einer Person aus einer anderen Kultur im Gespräch ist, ist es wichtig, sie als das zu betrachten, was sie als Individuum ist, anstatt sie mit dem in Verbindung zu bringen, was man über ihre kulturelle Zugehörigkeit zu wissen glaubt. So vermeidet man peinliche oder gar verletzende Vorurteile. Kulturen sind also keine Schubladen, sondern Einflüsse unter vielen anderen.
Kultur ist kein Problem, das es zu lösen gilt. Sie wird immer präsent sein. Sie ist eine Reise, die niemals endet, da sie sich ständig weiterentwickelt. Wissen ist der Schlüssel: Je besser wir wissen, was in einer Kultur «normal» oder «akzeptiert» ist, desto besser können wir uns anpassen, um eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu erreichen. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass es wichtig ist, die Unterschiede zu kennen, aber auch die Gemeinsamkeiten anzuerkennen.
Dies erfordert von uns eine grosse Anpassungsfähigkeit sowie eine Haltung der Bescheidenheit und des Respekts gegenüber dem anderen. Es geht darum, eine sogenannte «ethnozentristische» Sichtweise zu überwinden, d. h. eine Sichtweise, die andere Kulturen ausschliesslich anhand unserer eigenen Normen, Gewohnheiten und Werte beurteilt. Eine gute Selbsterkenntnis, das Wissen um unsere Stärken und Schwächen, ist im Austausch wichtig. Indem wir erkennen, welche Aspekte der fremden Kultur uns besonders verwirren und warum, können wir daran arbeiten und diese Vorurteile überwinden.
Die Eventreihe «Trump, Xi Jinping und dein Arbeitsplatz» zeigt dir mit Webinaren und Tagungen, wie die Schweiz und ihre Unternehmen diese Unsicherheit meistern. Willst du dich für die nächste Impulsreferaten anmelden? Mehr Infos findest du hier.
Mehr über Unternehmerin, Coach & Dozentin und ihre Arbeit findest du auf ihrer Website.