Luddismus: Arbeiter*innen gegen Maschinen
Noch nie von Luddismus gehört? Kein Wunder: Der Begriff leitet sich von Ned Ludd ab, einer mythischen – und wohl fiktiven – Figur aus einem Kampf, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Grossbritannien geführt wurde.
Es ist die Frühzeit der industriellen Revolution. Maschinen dringen in den Berufsalltag britischer Textilarbeiter*innen ein. Einige von ihnen lehnen sich gegen diese Technologien auf, die ihnen die Arbeit erleichtern sollen, ihre tatsächlichen Arbeitsbedingungen aber verschlechtern.
Ihre Forderungen verhallten ungehört. Und zwei Jahrhunderte später fällt es uns schwer nachzuvollziehen, was sie den Webmaschinen eigentlich vorwarfen. So wurde der Begriff «Luddismus» oft abwertend für jede Ablehnung des technischen Fortschritts verwendet. Die historische Realität ist aber komplexer.
Die Einführung der Webstühle in den Fabriken führte zu sinkenden Löhnen. Die Angst der Arbeiter*innen, ihre Stellen zu verlieren, wuchs – in einer Zeit, in der soziale Absicherung schlicht nicht existierte. Rasch galten die Maschinen als Treiber der Prekarisierung.
Die Luddisten waren nicht grundsätzlich gegen technologische Neuerungen. Ihr Zorn richtete sich vor allem dagegen, wie die Fabrikbesitzer die neuen Maschinen einsetzten: um Produktionskosten zu senken, handwerkliches Know-how zu umgehen und die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmenden zu schwächen. Die Bewegung formulierte eine soziale und wirtschaftliche Forderung.
Die britischen Behörden reagierten mit aller Härte. Die Regierung schickte das Militär in die betroffenen Regionen. Die Zerstörung von Maschinen wurde zum Kapitalverbrechen. Mehrere Dutzend Luddisten wurden verhaftet, verurteilt oder deportiert – das war das Ende der Bewegung.
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