KI für Einsteiger: Tagesseminar KI im Berufsalltag (Grundkurs)
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Im Jahr 2023 machten Aktivist*innen in New York und San Francisco von sich reden, als sie bei einer feierlich anmutenden Kundgebung High-Tech-Geräte kurz und klein schlugen. Als Protest gegen KI und technologischen Fortschritt bezeichneten sie dieses Ritual als «luddistisches Tribunal» – ein Name, der an den Widerstand des 19. Jahrhunderts gegen die industrielle Revolution erinnert.
Der Ludismus war eine Arbeiterbewegung im frühen 19. Jahrhundert in Grossbritannien. Die Ludditen lehnten den technischen Fortschritt nicht grundsätzlich ab, sondern kritisierten den Einsatz von Maschinen, der zu tieferen Löhnen, unsicheren Arbeitsverhältnissen und einer Schwächung der Rechte der Arbeitnehmenden führte – eine Debatte, die bis heute aktuell ist.
Zwei Jahrhunderte später holen wir diese Geschichte wieder hervor und setzen sie in Bezug zur Gegenwart. Die Debatten rund um Automatisierung, digitale Plattformen und KI erinnern an die Anliegen der Luddisten: Wem nützen die Produktivitätsgewinne? Wie werden die Früchte des technischen Fortschritts verteilt?
Für manche ist diese historische Bewegung wieder zu einer Referenz in aktuellen Diskussionen über die Zukunft der Arbeit geworden. Zweihundert Jahre alt, klingen die Sorgen der Luddisten erstaunlich vertraut: Automatisierung, Zeitersparnis, Entwertung menschlicher Kompetenzen und wachsende Ungleichheit.
Angestellte Schweiz betont die Notwendigkeit, den digitalen Wandel aktiv zu begleiten. Statt Computer auf der Strasse zu zerschlagen, setzen wir auf folgende Massnahmen zugunsten der Angestellten:
Die jüngste Initiative: die Entwicklung eines Dashboards, das Sie über den KI-Expositionsindex nach Berufsfeld und Branche informiert. Das Tool zeigt ausserdem, wie viele Arbeitnehmende je Sektor betroffen sind, und den durchschnittlichen Branchenlohn. So lässt sich abschätzen, welcher Lohnmassenverlust durch den KI-Einsatz drohen könnte. Damit verbunden ist eine grundlegende Frage: Wenn Aufgaben, die früher acht Stunden beansprucht haben, künftig in zwei Stunden erledigt werden können – müssen wir dann die Grundlagen unseres Entlohnungssystems neu denken, das bislang auf der geleisteten Arbeitszeit und nicht auf der Wertschöpfung basiert?
Die Geschichte des Luddismus erinnert uns daran, dass Übergangsphasen die grösste Herausforderung darstellen. Langfristig hat die Mechanisierung die Produktivität massgeblich gesteigert. Dieser Zuwachs an erwirtschaftetem Wohlstand ermöglichte höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten, leichteren Zugang zu Konsumgütern und eine allgemeine Verbesserung des Lebensstandards.
Doch diese Errungenschaften fielen nicht vom Himmel. Sie wurden erkämpft – durch gewerkschaftliche Auseinandersetzungen, Arbeiterbewegungen, politische Reformen und den Aufbau des Sozialstaats. Ohne diese Gegengewichte wäre ein weit grösserer Teil der Früchte der Mechanisierung in den Händen der Kapitaleigentümer geblieben.
Die entscheidende Frage heute lautet daher nicht: «Wird KI Arbeitsplätze vernichten?» – denn viele Technologien haben Stellen abgebaut und gleichzeitig neue geschaffen. Die eigentliche Frage ist: «Wer profitiert von den Produktivitätsgewinnen, die sie erzeugt?»