Darf ich meinen Vorgesetzten Emojis schicken?

Lächelnder Smiley, Daumen hoch oder gefaltete Hände: Emojis sind aus der digitalen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Wie wird ihre Verwendung im beruflichen Umfeld wahrgenommen?

In der Kommunikation ist die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation längst unbestritten. Stell dir vor, ein Kollege muss dich von einer wichtigen Massnahme überzeugen, während er zittert, die Arme verschränkt hält und den Blick senkt: Die Gefahr ist gross, dass die Botschaft nicht ankommt. Eine fest auf dem Boden verankerte Körperhaltung und ein direkter Blick hingegen untermauern seine Argumente.

Im Zeitalter der Digitalisierung finden jedoch viele berufliche Gespräche über den Bildschirm statt. Die Codes der klassischen Körpersprache verschwinden dabei. Was ersetzt sie?

Die «digitale Körpersprache»

Die US-amerikanische Autorin Erica Dhawan hat in einem Buch den Begriff der «digital body langage» eingeführt, zu der auch Emojis gehören. Pausen, der Schreibstil oder die Antwortzeit sind ebenfalls Teil dieser ungeschriebenen Regeln, die digitale Beziehungen prägen.

Ein wichtiger Punkt: Aus der Ferne birgt das Fehlen von Blickkontakt die Gefahr von Missverständnissen. Zu knappe Formulierungen, vage Bemerkungen oder Ironie sollte man lieber vermeiden. Was Emojis angeht: Sie können sowohl Nähe schaffen als auch irritieren.

Unterschiedliche Interpretationen

Eine Studie der Universität Berlin (2021) bestätigt, dass die Art und Weise, wie wir Emojis interpretieren, stark von unserem Alter und unserer Herkunftskultur abhängt. Ausserdem ersetzen die Smileys und kleinen Symbole in einem digitalen Gespräch selten Substantive, sondern vermitteln eher nonverbale und emotionale Inhalte. Und manche davon deutlich expliziter als andere.

Ein Beispiel: Laut der Studie kann der Smiley mit einem Reissverschluss anstelle des Mundes abwechselnd als Aufforderung zum Schweigen, als Geheimnis, das man für sich behalten muss, oder als Ankündigung einer schockierenden Neuigkeit, die einen sprachlos macht, gedeutet werden. Der Teufel mit Hörnern bedeutet für die einen «sexy», für andere «böse» oder steht auch für Ironie.

Um Emojis richtig zu «übersetzen», gibt es Online-Tools wie die Seite https://emojipedia.org, die ihre Bedeutung erklärt. Diese Tools beziehen sich jedoch eher auf die westliche Kultur – in Ländern wie Japan, wo sich die Körpersprache von unserer unterscheidet, ist es schwierig, Emojis nach denselben Codes zu entschlüsseln.

Wie sehen die Regeln im Büro aus?

Die Verwendung von Emojis im beruflichen Umfeld ist seit dem Boom der Online-Chats unter Kollegen alltäglich geworden. Mittlerweile ermöglichen Programme wie Outlook, sie direkt in E-Mails einzufügen. Die Vorteile: Sie verleihen dem Austausch eine persönlichere Note und können – wenn sie richtig verstanden werden – bestimmte Nuancen oder gefühlte Emotionen verdeutlichen; ausserdem sparen sie Zeit, wenn sie mit einem einzigen Symbol etwas erklären, was in Worten lange dauern würde.

Ihre Verwendung könnte sich jedoch negativ auf die Wahrnehmung der beruflichen Kompetenzen einer Person auswirken. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Anfang 2026 in Kanada veröffentlicht wurde: Im beruflichen Kontext hätte der übermässige Gebrauch von Emojis denselben Effekt wie eine zu umgangssprachliche Ausdrucksweise und würde unserer wahrgenommenen Professionalität schaden. Vor allem Führungskräfte würden strenger beurteilt, wenn sie Emojis in ihren E-Mails verwenden, als Mitarbeiter*innen ohne Führungsposition.

Ebenfalls machen Emojis laut dieser Studie unseren Austausch enthusiastischer, direkter und ausdrucksstärker. So werden Smileys, die positive Emotionen vermitteln, besser akzeptiert als solche, die Negatives ausdrücken.

Zusammengefasst…

Wenn du in deiner digitalen Kommunikation gerne Emojis verwendest, beachte folgende Regeln:

  1. Bei engen Kollegen ist ein Smiley am Zeilenende, um deine Zufriedenheit zu zeigen, durchaus willkommen.
  2. Bei Unzufriedenheit kommt die Botschaft hingegen besser rüber, wenn du sie in Worten formulierst.
  3. Verzichte auf Emojis mit doppelter Bedeutung; denk daran, dass deren Interpretation je nach Alter oder kulturellem Hintergrund der Person unterschiedlich ausfällt.
  4. Vermeide es, eine E-Mail voller Emojis an deinen CEO zu schreiben oder in einer Bewerbungsmappe zu verwenden; das kann deinem Image schaden oder als übermässige Vertrautheit rüberkommen.

Autor:in

Laure Fasel

Laure Fasel

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