Der Fachkräftemangel bleibt auch 2026 ein Thema

Die AXA-Studie zum Arbeitsmarkt Schweizer KMU 2026, durchgeführt vom Institut Sotomo bei 336 Schweizer KMU, analysiert die wichtigsten Herausforderungen für Unternehmen. Wie kannst du als Angestellte*r diese in Chancen verwandeln?

KMU sind ein tragendes Element unserer Wirtschaft. Die AXA-Studie 2026 ist ein aufschlussreicher Indikator, um die Herausforderungen des Schweizer Arbeitsmarkts zu erkennen – oder zu bestätigen. Was wir daraus mitnehmen: Trotz steigender Arbeitslosigkeit bleibt der Fachkräftemangel ein aktuelles Thema. Geopolitische Verwerfungen und krankheitsbedingte Abwesenheiten wegen psychischer Belastung sind die zwei weiteren zentralen Sorgenthemen. Was bedeutet das für dich als Angestellte*r?

Unternehmen suchen Talente

Eines der zentralen Ergebnisse der Studie: Der Personalmangel bleibt eine grosse Herausforderung für KMU. Im Dienstleistungsbereich suchen Unternehmen häufig Profile mit ausgeprägten technischen Kompetenzen – etwa in der Digitalisierung oder Datenanalyse. Spezialisierungen sind gefragt.

In der Produktion ist die Lage für Personen, die in den Sektor einsteigen oder sich weiterentwickeln möchten, noch günstiger. Hier leiden Unternehmen an einem allgemeinen Mangel an Bewerbenden – unabhängig vom Qualifikationsniveau. 2026 geben 65 % der Industrie-KMU an, Mühe zu haben, ihre Stellen zu besetzen, gegenüber 45 % im Jahr 2022. Diese Schwierigkeit bleibt bestehen, obwohl die Arbeitslosigkeit in der Schweiz gestiegen ist: von 1,9 % im Jahr 2023 auf 3,1 % im März 2026.

Wer die gesuchten Kompetenzen mitbringt, findet gute Chancen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die eigene Erfahrung, Ausbildung und Interessen mit dem konkreten Bedarf der Arbeitgebenden in Einklang zu bringen.

Erfahrung vor Diplom?

Ein Drittel der KMU geht davon aus, in den nächsten fünf Jahren weniger Hochschulabsolvent*innen einzustellen, während 15 % planen, mehr davon zu rekrutieren. Akademische Profile bleiben gefragt, doch der Markt gewichtet direkt einsetzbare Kompetenzen zunehmend stärker. Knapp zwei Drittel der KMU – 63 % – würden jungen Menschen, die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt maximieren wollen, eher den Weg der Berufslehre empfehlen.

Dieses Ergebnis unterstreicht, wie wichtig lebenslanges Lernen und das Aufbauen von Praxiserfahrung sind. Die Studie zeigt ausserdem: Für mehr als zwei Drittel der KMU ist ein Hochschulabschluss keine Voraussetzung für eine Führungsposition.

Zölle bereiten Sorgen

Wirtschaftlich beurteilen 43 % der KMU die Lage ihrer Branche als unsicher. Du machst dir Sorgen um Zölle, ausländische Konkurrenz, Wechselkurse und internationale Abhängigkeiten. Auch KI und die digitale Transformation wurden genannt.

Die am stärksten international ausgerichteten KMUs haben bereits ihr Angebot, ihre Märkte oder ihre Lieferketten diversifiziert – manche haben auch ihre Lagerbestände erhöht. Für Angestellte können diese Veränderungen neue Rollen, neue Aufgaben und neuen Kompetenzbedarf mit sich bringen. Ein agiles Mindset ist in diesem Umfeld ein klarer Vorteil.

86 % der KMU halten es dennoch für wahrscheinlich, dass ihr Unternehmen in zehn Jahren noch existiert. Diese Zahl spiegelt ein starkes Vertrauen in die eigene Zukunft und in die Widerstandsfähigkeit unseres Wirtschaftsgefüges wider.

China statt USA

Schweizer KMU schätzen, dass die Schweiz und China in den nächsten fünf Jahren wirtschaftlich an Bedeutung gewinnen werden. Die Schweiz gilt weiterhin als solider und innovativer Wirtschaftsstandort. Auch China wird positiv bewertet – insbesondere im Bereich Innovation. Umgekehrt werden die USA als relativer Verlierer wahrgenommen. Eine Mehrheit der KMU äussert Bedenken hinsichtlich ihrer Abhängigkeit von amerikanischen IT-Lösungen, insbesondere im Cloud-Bereich. Europäische Alternativen hat jedoch kaum jemand bereits übernommen. 

KI: Ja, aber als Zeitgewinn

74 % der befragten Unternehmen geben an, KI bewusst zu testen oder einzusetzen, gegenüber 26 %, die darauf verzichten. Sie wird vor allem für Übersetzungen und das Verfassen von Texten genutzt. Zunehmend findet sie auch in der Prozessoptimierung und Datenanalyse Anwendung.

Eine gute Nachricht für Angestellte: Nur eine Minderheit der KMU plant aufgrund von KI einen Stellenabbau. Die Mehrheit sieht darin vielmehr eine Möglichkeit, bestehende Ressourcen besser einzusetzen. Für Betroffene geht es daher vor allem darum, den Umgang mit diesen Tools zu erlernen und sie als Unterstützung in der eigenen Arbeit zu nutzen. Wer sich mit Prompts und KI-Agenten vertraut macht, verschafft sich einen echten Karrierevorteil.

Mehr Absenzen

Die Studie weist schliesslich auf wachsende Bedenken rund um Abwesenheiten und deren Kosten hin. 42 % der KMU geben an, dass die Kosten für Absenzen in den letzten fünf Jahren gestiegen sind. Abwesenheiten aus psychischen Gründen nehmen zu.

Das von KMU am meisten geschätzte Führungsprinzip ist jenes der Freiheit und individuellen Verantwortung. Unternehmen, die individuelle Verantwortung grossschreiben, verzeichnen weniger Abwesenheiten wegen psychischer Beschwerden – vorausgesetzt, diese Autonomie geht mit einer tragbaren Arbeitsbelastung und klaren Erwartungen einher. Eine solche Unternehmenskultur bietet grundsätzlich mehr Flexibilität: bei den Arbeitszeiten, der persönlichen Arbeitsorganisation oder der Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten.

Prävention im Bereich psychische Gesundheit ist jedoch noch keine Priorität. Zwar erkennen 66 % der KMU an, dass psychische Gesundheit auch eine Führungsaufgabe ist – konkrete Massnahmen bleiben aber begrenzt. Wir empfehlen dir aber deshalb, diese Themen aktiv mit deiner*m Vorgesetzten anzusprechen und deine Bedürfnisse zu kommunizieren, wenn Arbeitsbelastung oder -organisation schwierig werden.

Mach dich fit im Bereich KI!

Autor:in

Laure Fasel

Laure Fasel

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