Alles auf Anfang

Er hatte seinen Traumjob und ein Lächeln im Gesicht, und er merkte lange nicht, wie er sich dabei selbst verlor. Heute bringt Helder Amaral Wohlbefinden dorthin, wo er es selbst am meisten vermisst hat: zu den Angestellten in die Unternehmen.

Es ist kurz nach Weihnachten. Sein kleines Kind rennt und Helder will hinterher. Er schafft es körperlich nicht. Ein kurzer, fast banaler Moment. Und doch der Moment, in dem sich etwas in ihm bewegt.

Der Traumjob

Technik fasziniert Helder schon als Kind. In Portugal studiert er Ingenieurswissenschaften, später steigt er bei einem kanadischen Grossunternehmen ein. Die Firma holt ihn in die Schweiz, er übernimmt den Bereich Aftersales und betreut Händler und Abnehmer*innen in ganz Europa. Die Hälfte seiner Zeit ist er unterwegs. Es ist genau das, was er wollte. «Er lebte für seinen Job», sagt er selber über sich.

Das Lächeln als Fassade?

Nach aussen wirkt Helder immer gut gelaunt. Doch das Lächeln hat eine Kehrseite. Er isst unregelmässig, schläft schlecht, verliert seine Familie und sich selbst aus dem Blick. Je mehr er arbeitet, desto mehr Aufgaben landen auf seinem Tisch. Irgendwann kippt es. Er macht Fehler, kümmert sich nicht mehr um sein Team, will noch mehr leisten und wird dabei immer müder. Ein Teufelskreis. Dazu kommen toxische Kolleg*innen, die ihm zusetzen. Langsam verschwindet die Freude an einer Arbeit, die er eigentlich liebt.

Ein Anfang, ein Rückfall

Der Moment nach Weihnachten wird zum Wendepunkt. Helder beginnt, sein Leben umzubauen. Er ernährt sich besser, treibt Sport und liest Buch um Buch zur Frage, wie Veränderung gelingen kann. Was ihn besonders überrascht: wie stark Bewegung auf die Psyche wirkt und wie viel vom Schlaf abhängt. Drei Jahre in Barcelona tun ihm gut. Doch zurück in der Schweiz wird es wieder schwieriger. Der Stress nimmt zu, einen Ausweg sieht er nicht. Bis er erkennt, dass es ausserhalb der Firma noch eine andere Welt gibt. «Ich habe zwei Kinder und eine Frau und war die einzige Person, die arbeitete. Das war ein grosses Risiko.»

Eine Entscheidung im Spa

Eigentlich will Helder gar nicht mit, als seine Frau ein Spa besuchen möchte. Doch genau dort fällt die Entscheidung, die sein Leben verändern wird: Gemeinsam wollen sie Wohlbefinden zu den Mitarbeitenden in die Unternehmen bringen. Massagen, Ernährungsschulungen, Meditation und andere Produkte, die Unternehmen für ihre Mitarbeitenden bei ihm buchen können. Mit Engineering hat das nichts mehr zu tun, und vom neuen Business hat Helder zunächst kein tiefes Wissen. Er kündigt trotzdem.

Sein Vater und seine Verwandten halten ihn für verrückt. Einen so guten Job aufgeben, für die Unsicherheit? Helder kann es kaum erklären. Er spürt es einfach, und es fühlt sich ganz natürlich an. «Aber irgendwie hat alles funktioniert», sagt er heute.

Verkaufen, woran man glaubt

Ausgerechnet Verkauf mochte Helder früher gar nicht. Heute macht es ihm Freude, denn er verkauft, was ihm selbst wichtig ist und was andere wirklich brauchen. Das spürt er jeden Tag: Zwanzig Minuten Massage im Büro reichen manchmal, damit Menschen in Emotionen ausbrechen, so gross ist die Anspannung. Büroangestellte seien vor allem gestresst, Angestellte in den Werkstätten kämpften mit körperlichen Beschwerden, erzählt er.

Dann kommt Covid. Die Angst ist gross, dass weniger Leute in den Büros sind und die Aufträge ausbleiben. Im Rückblick ist das Gegenteil passiert: Viele Unternehmen haben erkannt, wie wichtig ihnen die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden ist.

Was er anders machen würde

Bereut Helder etwas? Vielleicht, sagt er, hätte er den Wechsel parallel angehen können. Die alte Firma vertrat seine Werte, er fühlte sich dort eigentlich wohl, und die Sicherheit war nicht zu unterschätzen. Und doch bleibt er dabei: «Wenn du so davon überzeugt bist, dass du etwas Gutes tust, dann gibt es immer eine Lösung.» Das gibt er anderen, die in einer ähnlichen Situation sind, als Tipp mit auf den Weg. 

Schlaf als Gradmesser

Wie es ihm heute geht, misst Helder an seinem Schlaf. «Ich schlafe aktuell viel besser, habe weniger Stress und mehr Kontrolle über mein Leben», sagt er. Anderen rät er, nicht zu warten. Es gibt immer Möglichkeiten zu handeln. Helder ist angekommen, glücklich und erfüllt. Und er rennt wieder.

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