Todesfall auf der Arbeit: Wie kann man trauern?

Die Katastrophe in Crans-Montana hat uns daran erinnert, wie fragil das Leben ist. Auch wenn Todesfälle bei älteren Menschen häufiger vorkommen, kann es passieren, dass man um eine*n Kolleg*in trauern muss. In solchen Fällen ist schwer zu wissen, wie man damit umgehen soll, weil das Ereignis die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verwischt.

Nach dem Brand von Crans-Montana haben sich viele Menschen in den Medien geäussert: Büros, die von einem Tag auf den anderen leer stehen, Mitarbeitende, die fehlen und von denen man weiss, dass sie nicht zurückkehren werden … Die Trauer um nahestehende Personen gehört eher ins Privatleben. In einer Arbeitswoche verbringen wir aber oft mehr Zeit mit Kolleg*innen als mit Familienmitgliedern. Wie geht man mit Traurigkeit, Wut und dem Gefühl der Leere um? Wie können Arbeitgebende reagieren?

Die Familie steht an erster Stelle

Aurélie Jung hat dem Thema Trauer am Arbeitsplatz zahlreiche Forschungen gewidmet. Sie erklärt, dass die Familie der verstorbenen Person immer zuerst einbezogen werden muss. Möchten die Angehörigen den Kolleg*innen das Datum der Beerdigung mitteilen? Gibt es besondere Wünsche, die man respektieren soll? Wollen die Angehörigen nochmals ins Büro kommen, um die persönlichen Sachen der verstorbenen Person abzuholen? All diese Fragen tauchen auf und verbinden emotionale Aspekte mit notwendigen Formalitäten. Der Familie mit Karten oder Blumen Mitgefühl auszudrücken, gehört zu den Aufmerksamkeiten, die man nicht vernachlässigen sollte.

Das Administrative darf man nicht vernachlässigen

Auf administrativer Ebene wissen alle Menschen, die schon einmal eine nahestehende Person verloren haben, wie belastend die Verfahren sind. Der Arbeitgeber kann eine grosse Unterstützung sein, wenn er gewisse Schritte einleitet und Fragen vorausschauend klärt, etwa auf welches Konto der nach dem Tod geschuldete Lohn überwiesen werden soll oder welche Verfahren nötig sind, um Witwen-, Witwer- oder Waisenrenten auszulösen. Das Schweizer Recht sieht je nach Dienstalter ein bis zwei nachträgliche Monatslöhne vor. Je nach Arbeitsvertrag sind zusätzliche Leistungen möglich. Wenn der Todesfall im beruflichen Kontext geschieht, können auch Unfallrenten infrage kommen.

Wie soll die Information weitergegeben werden?

«Im Fall eines gewaltsamen und unerwarteten Todes verbreiten sich inoffizielle Informationen in der Regel sehr schnell», sagt Aurélie Jung. Fragen, die Arbeitgebende vorausschauend klären sollten, sind zum Beispiel: Wie informiert man die Menschen offiziell, und in welcher Reihenfolge? In grossen Branchenunternehmen informiert man tendenziell zuerst die direkten Kolleg*innen, danach die übrigen Mitarbeitenden. Manche Abteilungen stehen jedoch mit der gesamten Belegschaft in Kontakt. In diesem Fall ist es nicht immer die beste Lösung, nur das unmittelbare Team zuerst zu informieren.

Trauer nicht hierarchisieren

Die Initiative der HETSL, einen Leitfaden für Unternehmen zu erstellen, wurde unter anderem entwickelt, um eine hierarchische Sicht auf die Schwere von Todesfällen zu überwinden. Man kann vom Tod eines Kollegen, den man täglich sieht, stärker betroffen sein als vom Tod einer Tante, zu der man kaum Kontakt hatte.

Link zum vollständigen Interview mit Aurélie

Auf HR-Ebene geht es also darum zu verstehen, dass der Tod einer*s Kolleg*in eine Person genauso stark treffen kann wie der Tod eines Familienmitglieds. Sinnvoll ist es deshalb, Räume zu schaffen, in denen trauernde Mitarbeitende sich äussern können. Aurélie Jung spricht hier von einer «internen Rechtsprechung», also von einem anpassbaren Rahmen je nach Situation. Und vor allem vom Recht der Betroffenen, ihre Bedürfnisse anzusprechen.

Gemeinsam innehalten

Wenn in einem Unternehmen ein Todesfall bekannt wird, kann die Möglichkeit, sich gemeinsam zu versammeln, hilfreich sein. Das kann eine einfache Einladung sein, sich in einer Pause oder am Ende des Arbeitstags in der Cafeteria zu treffen – für alle, die das möchten. Das Unternehmen kann auch Fachpersonen beiziehen, um eine Begleitung für seine Mitarbeitenden zu organisieren. Das ist besonders wichtig, wenn sich der Todesfall am Arbeitsplatz ereignet hat.

Autor*in

Laure Fasel

Laure Fasel

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